Landesverband rechnet mit 5 Millionen und sieht die Stadt in der Verpflichtung

Neue Herberge wird teuer

Vorbild Bad Hersfeld: In der Festspielstadt hat das DJH vor vier Jahren ein Grundstück von der Stadt bekommen und darauf zwei Altbauten durch einen gläsernen Zwischenbau verbunden.

Melsungen. Das Jugendherbergswerk Hessen möchte in Melsungen sein betagtes Haus durch einen Neubau mit zeitgemäßen Tagungs- und Freizeiteinrichtungen ersetzen, erwartet dabei allerdings ein erhebliches finanzielles Engagement der Stadt. Im Gegenzug würde Melsungen von kräftig wachsenden Tourismuszahlen profitieren, sagte Jörg Opitz, Landesvorsitzender vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), jetzt im Melsunger Stadtentwicklungsausschuss.

Mit einer Jugendherberge, die ähnlich aufgewertet sei wie die jüngsten Bauprojekte des DJH im Land, würde die Gästefrequenz in Melsungen von derzeit 12 000 auf 20- bis 25 000 steigen, prognostizierte Opitz. So ein modernes Haus wäre ein touristisches Vorzeigeobjekt, das sich nach DJH-Erfahrungen auch gut für Radtouristen und Wanderergruppen vermarkten lasse.

Mit kosmetischen Eingriffen in die Substanz des Altbaus am Melsunger Lindenberg sei es jedenfalls nicht getan, sagte Opitz. Entweder auf dem vorhandenen Grundstück oder an anderer Stelle in der Stadt müsse man völlig neu bauen. In diesem Zusammenhang machte der Landesgeschäftsführer klar, dass es sich bei den Jugendherbergen um wirtschaftlich selbstständige Betriebe handele und das DJH für einen solchen Neubau allenfalls als Pächter auftreten, die Folgelasten tragen und Finanzierungserleichterungen besorgen könne.

Im Klartext: Was die reinen Baukosten angeht, müsse sich die Stadt Melsungen engagieren. Deren politische Vertreter schluckten, als Opitz eine Größenordnung von fünf Millionen Euro nannte.

Modell Bad Hersfeld

Als Modell, wie so eine Finanzierung partnerschaftlich laufen könne, führte Opitz die vor vier Jahren neu errichtete Jugendherberge in Bad Hersfeld an: Dort habe die Stadt ein zentrales Grundstück mit zwei Altbauten zur Verfügung gestellt, die durch einen gläsernen Zwischenbau zu einem modernen Ferien-, Freizeit- und Tagungszentrum verbunden worden sind. Für dieses Projekt habe das DJH Landes- und Bundesfördergeld vermitteln können, so dass für die Festspielstadt am Ende lediglich eine von vier Millionen Euro Baukosten selbst zu schultern war.

Allerdings, so Opitz, sei der Zugriff auf diese Fördertöpfe wegen vorrangiger Projekte erst wieder ab dem Jahr 2018 möglich. Vorläufig könne das DJH der Stadt Melsungen nur anbieten, die Baukosten auf drei Jahre verteilt vorzufinanzieren.

Auch habe der Landesvorstand vor Zeiten schon einmal bei der B. Braun Melsungen AG vorgefühlt, mit dem Ergebnis, dass man dort einer finanziellen Beteiligung nicht völlig abgeneigt sei, berichtete Opitz: „Wir hätten auch kein Problem damit, so ein Haus zum Beispiel Professor-Braun-Jugendherberge zu nennen.“

Da das bisherige Gebäude am Lindenberg nicht mehr den aktuellen Brandschutzrichtlinien entspricht, sei jedenfalls eine baldige Entscheidung geboten, wie es nun weitergehen könnte.

Damit wird sich die Stadtpolitik zu befassen haben. Bernhard Lanzenberger (CDU) regte an, sich einmal anzusehen, wie andere Betreiber als das Jugendherbergswerk ein vergleichbares Haus betreiben. Renate Mahler-Heckmann (SPD) stellte die Frage in den Raum, ob man wohl am Standort des heutigen Krankenhauses, für das es Umzugspläne gibt, etwas entwickeln könnte.

Quelle: HNA

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