Elastic-Geschäftsführer Falco Weidemeyer übernimmt Mehrheitsanteile von amerikanischen Investoren

Der neue Herr der schönen Stoffe

Hat Elastic übernommen: Falco Weidemeyer, hier in seinem Büro, ist jetzt Herr im eigenen Haus. Foto: Köcher

Neukirchen. Aus dem Geschäftsführer ist jetzt auch der Eigentümer geworden: Falco Weidemeyer, der seit sechs Jahren die Geschäfte des Neukirchener Textilherstellers führt, hat die Mehrheitsanteile des bisherigen US-amerikanischen Finanzinvestors zurückgekauft (wir berichteten).

Erst 2007 war die Tricadis Capital, eine Investorengesellschaft, die sich an mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum beteiligt, mit 92 Prozent bei Elastic eingestiegen.

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Gedacht war an eine langfristige Perspektive: Nachdem er die Firma von 2004 bis 2007 saniert und verkaufsfähig gemacht habe, erklärt Weidemeyer, sollte Elastic mithilfe von Tricadis wachsen und Konkurrenten hinzugekauft werden. Doch die Weltwirtschaftskrise in 2008 und 2009 habe die Pläne durchkreuzt, sagt Weidemeyer, „das waren zwei ausgesprochen schwierige Jahre“. Und keine Situation, um mutig dazuzukaufen.

Anfang des Jahres schließlich hätten die Investoren signalisiert, dass sie bei Elastic aussteigen wollten. Zuletzt habe es Verhandlungen mit einem Kaufinteressenten gegeben, die sehr weit gegangen seien, sagt Weidemeyer. Doch dann habe sich die Möglichkeit ergeben, dass er selbst „zu attraktiven Konditionen“ die Amerikaner herauskaufen konnte. Was ihn das gekostet hat, darüber schweigt Falco Weidemeyer.

Wäre Elastic an einen Konkurrenten verkauft worden, wäre der Standort Neukirchen bedroht gewesen, ist sich der 38-Jährige sicher. Der Textilhersteller habe jedoch viel Potenzial, das nicht vergeben werden dürfe. Um weiter eigenständig und handlungsfähig zu sein, müsse Elastic aber so schlank wie möglich werden.

Das heißt: Es sollen bis Ende des Jahres weiter Arbeitsplätze gestrichen werden. Derzeit arbeiten 118 Mitarbeiter bei Elastic, die Zahl soll bis Ende des Jahres unter 100 gehen, sagt Falco Weidemeyer. Und die Lage bleibe angespannt, die nächsten sechs bis acht Monate würden für alle Beteiligten hart. Wie angespannt die vergangenen Jahre waren, zeigt der Umsatzeinbruch: Waren es 2007 noch 23,5 Millionen Euro, so wurde 2009 ein Umsatz von 17 Mio. Euro erweicht. Gewinne gab es in 2008 und 2009 überhaupt nicht. Erst seit dem Sommer arbeite Elastic wieder profitabel und werde im nächsten Jahr mit einem „soliden Auftragsbestand“ in die schwarzen Zahlen kommen, meint Weidemeyer.

Für die Zukunft schaut der neue Eigentümer positiv nach vorn. Es gebe in Europa nach wie vor genug Bedarf an den Stoffen, die Elastic aus elastischen und unelastischen Garnen, Naturfasern und Effektgarnen herstelle. Namhafte Firmen wie Triumph, Chantelle und Felina seien Kunden geblieben.

Außerdem hat der Geschäftsführer eine Zusammenarbeit mit einem weltweit arbeitenden Textilunternehmen in Sri Lanka vereinbart. An diesem Brückenkopf zum asiatischen Markt soll unter anderem eine gemeinsame Stoff-Kollektion entwickelt werden.

Die 60 Wirk- und Strickmaschinen, an denen Elastic Stoffe herstellt, sind mittlerweile alle unter einem Dach im Werk in Nausis untergebracht. Bei einer Partnerfirma in Chemnitz wurden weitere 16 Spitzenmaschinen ausgelagert, die Rohware für die Neukirchener Firma produzieren.

Falco Weidemeyer ist sich sicher, dass die Elastic-Mitarbeiter den Umbau der Firma mittragen, auch wenn derzeit eine Mischung aus Unsicherheit und Zuversicht zu spüren sei. „Es gibt keine Euphorie, aber eine hohe Leistungsbereitschaft“, sagt Weidemeyer – und mit dieser habe sich Elastic schon durch die größte Krise durchgekämpft.

Hintergrund: Jahrzehntelange Firmengeschichte

Elastic wurde 1958 durch Henry Walter Schwabe gegründet. Das Verwaltungsgebäude wurde 1966 an der Hersfelder Straße neu gebaut, 1969 entstand das Werk in Nausis. Im Oktober 2004 übernahm Falco Weidemeyer die Geschäftsführung. (jkö)

Quelle: HNA

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