Juristin Andrea Brede-Obrock bereitet sich auf den Wechsel ins Pfarramt vor

Mit 50 ins neue Leben

Bereitet sich aufs Pfarramt vor: Andrea Brede-Obrock ist Vikarin in Wolfhagen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Wenn Andrea Brede-Obrock in der Vergangenheit Gottesdienste besucht hat, schaute sie nicht selten mit ein klein wenig Neid nach vorn zum Pfarrer, denn zu gerne hätte die studierte Juristin selbst die Predigt gehalten. Doch beruflich vom Gerichtssaal in die Kirche zu wechseln, das ist kein leichter und alltäglicher Schritt. Für Andrea Brede-Obrock aber dann doch ein ganz direkter, denn die neue Vikarin der Kirchengemeinde Wolfhagen wagte mit knapp 50 Jahren die Veränderung und begann 2007 ein berufsbegleitendes Theologiestudium an der Universität in Marburg. Seit 1. September bereitet sie sich nun unter Pfarrer Hans-Jürgen Basteck auf das Pfarramt vor.

Als Tochter einer Diakonin aufgewachsen, gehörte die Kirche seit ihrer Kinderstube ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Gottesdienste und ehrenamtliches Engagement reichten nach dem Abitur aber dann doch nicht für einen frühen Einstieg in die hauptamtliche Kirchenarbeit aus. „Ich war eine ganz frühe Abiturientin und mit 17 Jahren einfach noch nicht reif genug für ein Theologiestudium“, erinnert sich Brede-Obrock.

Trotz ihrer Entscheidung für die Rechtswissenschaften blieb sie der Kirche stets treu, war all die Jahre In ihrer Kirchengemeinde in Kassel-Wilhelmshöhe im Vorstand aktiv, zeitweise als Vorsitzende, auch als Kopf der Kreissynode. Geformt vom Leben ging sie dann den Schritt in ihr neues berufliches Leben, unterstützt durch ihren Ehemann und die drei Kinder.

Gereizt hat sie die Vielfältigkeit des Pfarrerberufes, wie auch die Parallelen zu ihrer Arbeit als Anwältin. „Ich habe festgestellt, dass Theologen und Juristen zwar anders denken, aber vom Prinzip zu ähnlichen, wenn nicht gleichen Ergebnissen kommen“, sagt die heute 51-Jährige.

„Ich habe festgestellt, dass Theologen und Juristen zwar anders denken, aber vom Prinzip zu ähnlichen Ergebnissen kommen.“

Andrea Brede-Obrock

Grundsätze wie Gerechtigkeit und Gleichbehandlung aller Menschen seien in der Bibel ebenso verankert wie in den Grundgesetzen. „Das Ziel der Arbeit ist dasselbe, nur der Weg dorthin unterscheidet sich sehr.“ Und den genießt sie nun, erzählt mit einem Strahlen in den Augen von ihren ersten Wochen in Wolfhagen. Die Zeit sei sehr intensiv gewesen. „Ich freue mich zu sehen, dass die Realität meine Vorstellung des Berufes bestätigt.“ Ihre Entscheidung gegen den Gerichtssaal und für die Kirche sieht sie nicht als Kehrtwende, sondern als Erweiterung in die Breite. Ob ihre Arbeit als Pfarrerin von der juristischen Vergangenheit profitieren kann, das hängt von der Entscheidung des Bischofs ab, wo sie nach ihrem zweijährigen Vikariat eingesetzt werden soll. „Es gibt viele Bereiche der Verwaltung, in denen die Kombination sicher hilfreich sein kann, doch mein Ziel ist es, als Gemeindepfarrerin zu arbeiten.“ Darauf wird sie nun intensiv vorbereitet, die erste eigene Predigt steht schon zu Weihnachten an.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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