"Dachte nicht, dass die mich wählen"

Helga Hughes ist neue Ortsvorsteherin für Philippinenburg und Philippinenthal

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Eine von insgesamt nur zwei Ortsvorsteherinnen im Bereich der Stadt Wolfhagen: Helga Hughes. Mitte März hat sie ihr neues Amt übernommen.

Wolfhagen. Philippinenburg und -thal haben eine neue Ortsvorsteherin: Helga Hughes wurde gewählt und nun vereidigt. 

Beruflich einen Gang zurückschalten, um mehr Zeit für sich, fürs Reisen und für den Garten zu haben, das hatte sich Helga Hughes fest vorgenommen. Ganz so wie geplant, wird das wohl nichts. Gerade wurde die 60-Jährige als ehrenamtliche Ortsvorsteherin von Philippinenburg und -thal vereidigt.

Statt mit ihrem Mann, dem Mediziner Dr. Matthias Hughes, Pläne für Touren im In- und Ausland zu schmieden, sortiert sie derzeit Unterlagen aus dem Ortsvorsteher-Büro und arbeitet sich ein in ihre neue Rolle, in die sie doch recht unerwartet geraten ist. 

Sie wollte etwas für die Frauenquote bewirken

Als sich vor gut zwei Jahren vor der Kommunalwahl die Dorfbewohner trafen, um Kandidaten für die Wahl zum Ortsbeirat zu finden und um auszuloten, wer denn Horst Pflüger, den langjährigen Ortsvorsteher, der aus Altersgründen nicht wieder antreten wollte, ersetzen könne, da war Helga Hughes dabei. 

Und als man sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, für den Ortsbeirat zu kandidieren, „da habe ich mich dann aufstellen lassen“, sagt sie. Als stimmberechtigtes Mitglied in dem fünfköpfigen Gremium dabei zu sein und dabei auch noch was für die Frauenquote zu bewirken, das erschien ihr durchaus reizvoll.

Hughes kommt nicht aus Philippinenburg

Aber die Chance, dann unter zehn Kandidaten tatsächlich ausreichend Stimmen zu erhalten, schien ihr eher gering: „Ich dachte nicht, dass die mich wählen.“ Etwa, weil sie nicht aus dem Ort stammt? Helga Hughes wuchs in Kassel-Harleshausen auf, studierte in Marburg Pharmazie und zog erst 1997 nach Philippinenburg ins neu gebaute Eigenheim. 

Der kleine Wolfhager Stadtteil, zu dem auch das noch kleinere Philippinenthal gehört, liegt nahe an der Wolfhager Klinik, wo ihr Mann Matthias seinerzeit als Oberarzt der Inneren anheuerte. Aber nicht nur die Nähe zur Klinik überzeugte: „Es ist herrlich hier. Ich bin ein Naturmensch und am liebsten draußen und in meinem Garten. Für mich ist das hier genau der richtige Platz.“

Ansprechpartnerin für die Menschen vor Ort

Kein Eingeborener zu sein in Philippinenburg ist aber offenbar überhaupt kein Grund, nicht Ortsvorsteherin werden zu können, zumal Helga Hughes sagt, dass man sofort von der Gemeinschaft akzeptiert und zu sämtlichen Aktivitäten eingeladen worden sei. Bei der Kommunalwahl bekam sie mit einer Stimme weniger als der neue Ortsvorsteher das zweitbeste Ergebnis. Und als der nun zum Jahresende das Amt aufgab, ließ sich die Apothekerin, die gerade ihre Wochenstundenzahl reduziert hatte, um mehr Zeit zu haben, in die Pflicht nehmen. Vor gut drei Wochen wurde sie ins neue Ehrenamt gewählt.

Jetzt ist sie Ansprechpartnerin für die Menschen in Philippinenburg und -thal, insgesamt 170, ist fürs Dorfgemeinschaftshaus zuständig, lädt zu den Ortsbeiratssitzungen ein, nimmt an den Stadtverordnetensitzungen teil. Ende März 2021 endet die Wahlperiode, dann werde man weitersehen. „Eine neue Aufgabe hält jung“, sagt sie lachend, „und die Rückmeldungen der Leute, die sich freuen, dass ich es mache, sind ja auch was Schönes.“ Außerdem ist sie überzeugt, „wenn ich mich erst mal eingefuchst habe, dann wird es laufen“ und auch Zeit fürs Reisen sein.

Hintergrund: Landgräfin Philippine war Patin

Philippinenburg und Philippinenthal sowie der Stadtteil Gasterfeld (Philippinendorf) werden als die Wolfhager Kolonien bezeichnet. Sie entstanden ab 1778 unter Landgraf Friedrich II von Hessen-Kassel. Die Flächen lagen damals brach. Landgraf Friedrich ließ dieses Brachen erfassen, um sie neu zu besiedeln. Namensgeberin für die Kolonien war die Ehefrau des Landgrafen, Philippine von Brandenburg-Schwedt. Bekannt ist Philippinenburg/-thal durch seine Tauzieher, die unter anderem zwei Mal deutscher Meister wurden.

Eine weitere Besonderheit: der Almabtrieb der Rinder örtlicher Landwirte nach alpinem Vorbild, der seit 1995 stattfindet. In Philippinenburg/-thal, die einen gemeinsamen Ortsbeirat haben, leben aktuell rund 170 Menschen, davon im kleineren Philippinenthal etwas weniger als ein Drittel. Weniger Einwohner im Bereich der Wolfhager Stadtteile hat nur noch Leckringhausen. Bis auf die Kernstadt haben alle elf Stadtteile einen Ortsbeirat.

Quelle: HNA

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