Magnificat-Vertonung: Marburger Oktett führte Lobgesang Marias in Hephata auf

Neue Räume des Hörens

Uraufführung: Am Samstag brachten die Sänger des Marburger Oktettts um den Komponisten Jean Kleeb (links) und Percussionistin Elke Saller (rechts) Magnificat zu Gehör. Foto: Rose

Treysa. Das Marburger Oktett bot am Samstagabend den Zuhörern in der Hephata-Kirche einen hochkarätigen Hörgenuss. Unter der Leitung des Komponisten, Chorleiters und Pianisten Jean Kleeb erweckten acht hervorragende Sänger den Lobgesang der Maria – Magnificat – zum Leben. Die Vertonung des Textes stammte aus Kleebs Feder.

Der Arrangeur zauberte aus der Vorlage aus dem Lukasevangelium klanggewaltige Ausflüge in verschiedene Sprachen: Tupi, Quechua, Maori, Indonesisch, Zulu, Persisch, Griechisch, Russisch, Hindi und Aramäisch. Zuvor erklangen vertonte Texte deutscher Lyrik. „Sie werfen mit ihren Themen einen Blick ins neue Jahr“, erklärte Sprecherin Andrea Wöllenstein.

Experimentell und eingängig

Die Zeilen von Nelly Sachs, Hilde Domin oder Hans Magnus Enzensberger spiegelten Themen wie Abschied und Verwandlung, konnten gleichwohl aber auch als Appell verstanden werden. „Und zwar an die Völker der Erde, nichts zu zerstören“, erläuterte Wöllenstein. Kleeb gelänge es, starke Methaper in starke Klänge zu verwandeln. Dabei bediente er sich den Worten Paul Celans – „es sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen“. Experimentell, aber durchaus eingängig, verwandelte der Komponist Marias Lobgesang in ein imposantes Klangerlebnis. „Das älteste mehrstimmige Fragment stammt aus dem 14. Jahrhundert, das jüngste hören Sie heute Abend“, erklärte die Sprecherin.

Den Zuhörern versprachen die Künstler bei weitem nicht zu viel. Beim Hören öffneten sich Räume, die die Denk- und Hörgewohnheiten ordentlich herausforderten. Begleitet wurde das Oktett von Jean Kleeb am Klavier und der Percussionistin Elke Saller. Das zwölfteilige Werk widmete sich Themen, die heute ebenso aktuell wie zur Zeit Marias sind. Die Texte beleuchteten die Frage nach Gerechtigkeit, die Entthronung der Mächte der Welt und den Blick auf die Ärmeren und Schwächeren. Ergänzt wurde die Komposition mit Gedichten von Laotse, Rumi, Paul Celan und Enzensberger.

Der Dialog der Kulturen wurde von den acht Sängern beeindruckend in Szene gesetzt. Stimmlich überzeugte jeder einzelne. Auch in der Symbiose wirkte die Gruppe unglaublich homogen. Die glockenreinen Soprane von Miriam Jerabeck und Dorit Neumeyer waren ein echter Hochgenuss, ein perfektes Fundament boten ihnen die Altstimmen von Regina Kuhl und Birgit Küllmar. Michael Brauer und Marc Müllenhoff überzeugten mit klaren Tenortonlagen, Hartmut Raatz und Ralf bildeten einen markanten Bass. In dem eieinhalbstündigen Konzert hätte man zwischen den Werken eine Stecknadel fallen hören können. Dafür belohnte das Publikum die Künstler am Ende mit minutemlangen Applaus und erklatschte sich eine Zugabe.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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