Neue Schrittmacher-Technologie wird Betroffenen vorgestellt

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Kommt nur noch zur Kontrolle: Ingeborg Brettschneider wurde der neue Schrittmacher bereits implantiert. Oberarzt Dr. Murat Yildiz (links) zeigt, wie das Gerät aussieht, und Chefarzt Dr. Wolfgang Dausch hält ein Herzmodell in seiner Hand.

Fritzlar. Ein Herz schlägt pro Minute 60 bis 80 Mal, somit 114.000 Mal in 24 Stunden. In dieser Zeit pumpt es etwa 17.000 Liter Blut durch den Körper. Es ist also ein echtes Kraftpaket. Das Herz von Ingeborg Brettschneider aus Fritzlar hatte diese Kraft nicht mehr.

„Ich habe einfach keine Luft mehr bekommen“, sagt sie. „Nach drei Treppenstufen musste ich erstmal eine Pause einlegen.“

Die 79-Jährige litt an einer schweren Herzschwäche. Durch die Unterstützung eines Herzschrittmachers der neuesten Generation, eines so genannten CRT-D-Gerätes, geht es Ingeborg Brettschneider jetzt wieder gut. Für wen solch ein Gerät geeignet ist, wie es funktioniert und weitere Informationen gibt es im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist am Donnerstag, 21. November, beim Aktionstag „Das schwache Herz“.

Neben einer optimalen medikamentösen Behandlung ist in den vergangenen Jahren eine neuartige Schrittmacherbehandlung entwickelt worden. 15 der neuen Geräte wurden bereits im Hospital implantiert. „Es sind keine normalen Schrittmacher“, erklärt Oberarzt Dr. Murat Yildiz, der dort die Arbeitsgruppe Re-Synchronisations-Therapie bei schwerer Herzinsuffizienz leitet. Das Gerät, dass viel kleiner ist als die Vorgängergeräte, sei wie ein Porsche. „Es ist ein Hightechgerät.“ Das mache aber auch den Operationsaufwand höher. Der Eingriff bei einem normalen Schrittmacher dauere etwa 15 Minuten, die neue Technik, die statt einer drei Kammern habe, dauere fast eine Stunde. Doch der Aufwand lohne sich: Diese Geräte verbesserten durch eine Optimierung der Synchronisation des Herzschlages bei zahlreichen Patienten mit schwerer Herzschwäche die Symptome und auch die Prognose, sagt Yildiz.

Ingeborg Brettschneider kommt jetzt immer regelmäßig nach drei Monaten zur ambulanten Kontrolle in die Klinik. Die Nachsorge habe sich zudem verbessert, freut sich Yildiz. Und auch viele Patienten sprechen auf den neuen Schrittmacher an. Am Hospital habe man eine Quote von 85 Prozent. Allein in Deutschland leiden nach Expertenschätzungen zwei bis drei Millionen Menschen an einer Herzschwäche. Symptome seien Atemnot bei Belastung, die Abnahme der Leistungsfähigkeit zum Beispiel beim Treppensteigen, Bergangehen und schnellen Laufen sowie Schwellungen an Knöcheln und Unterschenkeln. „Bei diesen Warnzeichen sollten Betroffene den Arzt aufsuchen.“ Was ihr Herz angehe, habe Ingeborg Brettschneider eine Lebenserwartung von maximal drei Jahren gehabt, sagt Dr. Wolfgang Dausch, Chefarzt am Hospital. Das habe sich jetzt geändert. Das freut vor allem die Seniorin. „Ich kann wandern und auch reisen. Ich shoppe doch so gerne. Nur Rock ‘n’ Roll tanzen, das geht nicht“, sagt sie und lacht.

Quelle: HNA

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