Der neue Skoda Scala im Test

Stufe hinauf zur großen Oper

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Der Skoda Scala vor dem Rathaus in Waldeck-Sachsenhausen. 

Scala – das klingt nach großer Oper, nach üppiger Ausstattung und starken Gefühlen. Und wirklich: Der Skoda Rapid-Nachfolger kommt mit aufregendem Design und neuer Technik. Im Test: Der kompakte Tscheche mit 115 PS-Dreizylinder-Benziner.

Skoda steht im Volkswagen-Konzern traditionell für viel Platz und ein besonders gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die sportlichen Emotionen indes überließ man bislang eher Seat und die Premiumqualität VW oder Audi. Diese Rollenaufteilung weicht der Scala (lateinisch: Treppe oder Leiter) nun offensichtlich weiter auf.

Stop am Edersee. Die schmalen Heckleuchten betonen den dynamischen Auftritt. 

Während der Rapid auf harmonische, aber zurückhaltende Eleganz setzte, kommt der Nachfolger auffälliger, markanter und moderner daher. Zum sportlichen Look gehören die scharf geschnittenden Dreiecks-LED-Frontscheinwerfer, die betont schlanken Rückleuchten und die Silhouette mit nach hinten abfallender Dachlinie. Neu und originell ist auch die weit nach unten gezogene Heckscheibe mit der großen Markenaufschrift.

Seinen ausgeprägten Sinn fürs Praktische übernimmt der Scala vom Rapid, der die Grenze zum geräumigen Kombi im Kompaktsegment ja bereits verschoben hat. Der Tscheche nutzt die lange Variante der Polo- und Ibiza-Plattform, das heißt: 4,36 Meter Außenlänge – ein Plus von zehn Zentimetern gegenüber dem VW Golf. Auch der lange Radstand von 2,65 Metern trägt zu üppigen Platzverhältnissen im Inneren bei und macht sogar dem großen Bruder Octavia Konkurrenz. Bemerkenswert groß ist der Kofferraum, der 467 Liter (Golf: 380 Liter) fasst und bei umgeklappter Rückbank auf 1410 Liter erweitert werden kann.

Klarheit dominiert

Auf dem großformatigen Fahrersitz mit den markentypisch straffen Polstern Platz genommen, kommt auf Anhieb ein Gefühl von vertrauter, beruhigender Klarheit auf – wie es Skoda-, VW- und Seatfahrer kennen. Am klassisch-modern, schön zierlich gestalteten Armaturenträger dominieren gerade Formen und Kunststoffflächen mit unterschiedlicher Oberflächenstruktur. 

Modernes Interieur. 

Eine rote Ziernaht gehört zu den wenigen Verspieltheiten, alles wirkt perfekt verarbeitet und ergonomisch durchdacht. Dazu gehört die perfekte Rundumsicht auf die Straße, aber auch das hervorragend abzulesende, zentral platzierte 9,2-Zoll-Display des Infotainmentsystems. Es stammt aus dem VW-Baukasten und präsentiert sich neu gestaltet und mit sehr übersichtlich angeordneten Menüs. Fortschrittlich ist die Internetverbindung, so ist der Scala als erster Skoda dank eingebauter eSIM immer online. Schade, dass die Klangqualität des Lautsprechersounds dagegen etwas abfällt.

Spritziger Dreizylinder

Doch nun beginnt die Testfahrt: Den Startknopf gedrückt – der Motor klingt etwas rau, ist eben ein Dreizylinder. Das gibt sich aber unterwegs, dann offenbart der kleine Turbo-Benziner sein Temperament. Seine Durchzugsschwäche im unteren Drehzahlbereich verfliegt schnell nach dem beherzten Tritt aufs Gaspedal. Dann zieht das Einliter-Aggregat erstaunlich lebendig los. Selbst schnell gefahrende Landstraßenkurven sind kein Problem – das Fahrwerk reagiert auch dank des langen Radstandes stets gelassen. Dabei dämpfen die Federn im Wohlfühlbereich zwischen sportlicher Straffheit und komfortabeler Flexibilität. 

Zum Fahrspaß trägt schließlich die ausreichend direkt und gefühlvoll reagierende Lenkung bei. Gleichzeitig flutschen die Gänge der Handschaltung herrlich exakt durch die Gassen. So gibt der Scala insgesamt ein sehr handliches, harmonisches Fahrgefühl. Doch nicht nur die Spritztour zum Edersee macht viel Vergnügen, auch für längere Reisen scheint der kompakte Tscheche gut gerüstet. Der Scala läuft angenehm leise, nur ab Tempo 140 wird’s etwas lauter – die komfortabele Geräuschkulisse ist wohl vor allem ein Ergebnis der Karosserie-Aerodynamikoptimierung. Diese trägt auch zum günstigen Spritverbrauch bei, der nach dem Einfahren durchschnittlich bei 5 Litern liegen soll.

Auch bei der Sicherheit punktet der Scala, zur Serienausstattung gehören Spurhalte- und Frontradarassistent, optional gibt’s alle weiteren Assistenten des VW-Konzerns. Die Ausstattung bietet viele individuelle Wahlmöglichkeiten.

Fazit: Der Name Scala passt gut – egal, ob das Wort an die berühmte Oper oder das lateinische Wort für Treppe/Leiter erinnert. Denn der neue Kompakte gefällt mit emotionaler Optik, viel Platz, vernünftiger Praktikabilität und ausgewogenem Komfort. Gerade im Hinblick auf die günstige Preisgestaltung also offensichtlich eine Stufe nach oben in Richtung Premiumklasse. /Achim Rosdorff

Skoda Scala 1.0 TSI

Länge x Breite x Höhe: 4,36 x 1,80 x 1,47 m

Radstand (m): 2,65 m

Motor: R3-Benziner, 999 ccm, Turbo, Direkteinspritzung

Leistung: 85 kW / 115 PS bei 5000 - 5500 U/min

Max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000 - 3500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h

Beschl. 0 auf 100 km/h: 9,8 Sek.

WLTP-Verbrauch: 5.0 Liter

Effizienzklasse: C

CO2-Emissionen: 113 g/km (Euro 6d-Temp)

Leergewicht / Zuladung: min. 1240 kg / max. 575 kg

Kofferraumvolumen: 467–1410 Liter

Max. Anhängelast: 1200 kg

Luftwiderstandsbeiwert: 0,29

Basispreis: 21 450 Euro

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