Diskussionsabend: Experten beklagen den hohen Dokumentationsaufwand

Neue Werte in der Altenpflege

Diskutierten: (von links) Petra Brodowski (Leiterin Sachgebiet Pflege im Diakonischen Werk Kurhessen-Waldeck), Jürgen Kramer (Heimleiter St. Martin), Pfarrerin Sabine Georges und Georg Eisenhut (Vorstandsvorsitzender St. Martin). Foto: privat

Neukirchen. Die schwierigen Rahmenbedingungen in der Altenpflege standen zur Diskussion bei einem Vortragsabend in der Kapelle des Evangelischen Altenheims St. Martin in Neukirchen. Organisiert wurde die Veranstaltung unter dem Titel „Alt und vergessen?“ vom Evangelischen Forum Schwalm-Eder, veranstaltet in Kooperation mit dem St. Martin-Neukirchener Verein für Altershilfe und der evangelischen Kirchengemeinde.

„Das Evangelium kann helfen, Lasten zu tragen“, beschrieb Petra Brodowski, Leiterin des Sachgebietes Pflege im Diakonischen Werk Kurhessen-Waldeck, den Nutzen einer kirchlichen Ausrichtung in der Pflege. Dennoch unterlägen auch die diakonischen Einrichtungen den Marktbedingungen, und es gebe keine kirchlichen Zuschüsse oder zusätzliches Personal für die Häuser. Die Referentin erläuterte die umfangreiche Pflegeplanung in allen Altenheimen und deren Folge, dass ein hoher Zeitaufwand für die Pflegekräfte gebunden sei: „Wir haben in den Altenheimen doppelt so viele Dokumentationspflichten wie in Krankenhäusern.“ Pflege sei derzeit die Umsetzung einer wissenschaftlichen Arbeit.

„Ich würde gerne sagen, wir haben super viel Zeit für die Menschen“, sagte Jürgen Kramer, Heimleiter in St. Martin, „aber wir würden darüber unsere positiven Bewertungen verlieren.“

Pfarrerin Sabine Georges aus Riebelsdorf, Mitglied im Vorstand von St. Martin, betonte: „Wir als Kirche sollten dafür eintreten, dass die Pflege an den Betroffenen auszurichten ist. Es ärgert mich ganz furchtbar, wenn ich sehe, was in den Nachbarländern möglich ist und was angeblich in Deutschland alles nicht geht.“

Petra Brodowski unterstrich, dass es ein Bewusstsein brauche, dass Pflege etwas kosten dürfe. „Es ist genug Geld da für die Pflege, und die Leute würden es auch bezahlen, wenn die Qualität stimmt.“ Die Politik müsse dringend für die Refinanzierung tariflicher Löhne sorgen.

Bei Veränderungen gelte es, das Können der Mitarbeiter zu nutzen, „es ist einmalig in Europa, dass irgend jemand anders definieren darf, was Pflegequalität ist, als die Pflegekräfte selbst“. Sie plädierte für ein Lotsensystems zur Unterstützung von Angehörigen, denn die meisten Menschen treffe die Pflegebedürftigkeit überraschend. (jkö)

Quelle: HNA

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