Neuentaler setzen sich für Familie aus Afghanistan ein

+
Hilfe für eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan: Von links Said Sayedi, Arezu Sayedi, Farshid Hadari, Dr. Ulla Boide, Sanas Hadari, Sita Hadari, Hans-Joachim Boide und Gholam Muhdud Hadari.

Neuental. Eigentlich wollte Hans-Joachim Boide nur schauen, wie es den Flüchtlingen, die in einem Haus in Neuenhain untergebracht waren, geht. Das war Anfang 2014. Seither ist er ehrenamtlich im Arbeitskreis Flüchtlinge in Neuental engagiert.

„Es braucht nicht viel, um sich in die Lage der Menschen hineinzuversetzen“, beschreibt der 77-Jährige die Motive seines Engagements. Was er und seine Frau Dr. Ulla Boide nicht vorstellen konnten, war, dass sie damit eine Art zweite Familie bekommen haben. Dabei habe er als ehemaliges Mitglied des Neunentaler Magistrats die Fallstricke und Vorschriften der Bürokratie kennengelernt.

Schwierig sei vor allem die Gesundheitsvorsorge gewesen. So habe man für einen Zahnarztbesuch einen Antrag über den Hausarzt stellen müssen, der dann vom Ausländeramt genehmigt wurde. Die Flüchtlinge von damals, es waren hauptsächlich Menschen vom Balkan, sind nicht mehr in Neuental und auch die Probleme im Gesundheitsbereich seien nicht mehr vorhanden.

Gelernt habe man damals auch, dass die Unterbringung in Neuenhain für Familien mit Kindern wegen der Fahrten zu Schule und Kindergarten schwierig sei. Startschwierigkeiten habe es ebenfalls bei der Versorgung mit Lebensmitteln über die Tafeln gegeben, erinnert sich das Ehepaar. Inzwischen funktionierten die Einkaufsfahrten.

Familie aus Afghanistan

Zurzeit widmen sich die Boides der Betreuung einer Familie aus Afghanistan. Das Ehepaar mit drei Kindern – zwei Mädchen und ein Junge – sei von der Unterkunft in Gilserberg nach Zimmersrode in eine Wohnung gezogen, in der auch der Bruder der Frau wohnt. Die 14-jährige Tochter besucht die Schule in Borken und ihr elf Jahre alter Bruder die in Zimmersrode. Es ist vor allem die 14-Jährige, die bei Verständigungsproblemen als Dolmetscherin fungiert.

Aktiv in der Feuerwehr

Drei Mitglieder der Familie spielen in Jesberg Volleyball, die beiden erwachsenen Männer engagieren sich bei der Zimmersröder Feuerwehr und zwei Kinder sind in der Jugendwehr aktiv.

Ein positives Bild sei das, sagen Ulla und Hans-Joachim Boide. Doch eine sichere Bleibe habe die Familie nicht. Denn „über den Asylantrag ist noch nicht entschieden“. Und das zehre an den Nerven der Familie. Immer wieder müsse er sie beruhigen, ihnen versichern, dass ihnen im Augenblick nichts passieren könne. Dennoch bliebe die Angst vor der Abschiebung.

Darüber hinaus gebe es zahlreiche Alltagsprobleme, die von der Jobsuche über den Führerschein und die Einrichtung eines Internetzugangs reichten. Doch das Ehepaar lässt sich nicht entmutigen. „Für mich ist es eine Bereicherung meines Lebens“, sagt Hans-Joachim Boide. Es sei beeindruckend, mit welcher Kraft die Familie ihr neues Leben zu meistern versuche. Die ihnen entgegengebrachte Dankbarkeit und die Freude darüber, wenn ein Problem gelöst ist, das sei für sie genügend Lohn.

Mitmachen im Arbeitskreis

Etwa sieben bis acht Frauen und Männer engagieren sich im Arbeitskreis Flüchtlinge in Neuental. Die Mitglieder treffen sich jeden 1. Freitag im Monat ab 14 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Wer sich in dem Arbeitskreis engagieren möchte, sollte sich im Rathaus unter Tel. 06693/8038621 melden. 

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare