Moorpfad ist einzigartiges Ökosystem

Neuer Erlebnisweg im Kellerwald: Moorpfad in Jesberg eröffnet

Eine Menschengruppe steht auf einem Holzpfad inmitten eines Waldes.
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Der Weg kann sich sehen lassen: Kristin Gampfer, Geschäftsführerin Naturpark Kellerwald-Edersee mit Bürgermeistern, HessenForst-Mitarbeitern, Naturparkführern, Erstem Beigeordneten Jürgen Kaufmann (4. von rechts) bei der Eröffnung des neuen Moorpfades im Kellerwald am Dienstag. 

In Jesberg ist am Dienstag ein Moor-Erlebnispfad eröffnet worden. Der knapp ein Kilometer lange und gut ausgeschilderte Weg bietet Einblicke auf ungewöhnliche Landschaften und seltene Pflanzen.

Der Naturpark Kellerwald-Edersee hat gestern in Jesberg den Moor-Erlebnispfad eröffnet. Der knapp ein Kilometer lange und gut ausgeschilderte Wanderweg unterhalb des Kellerwaldturms am Wüstegarten bietet Wanderern Ein- und Ausblicke auf ungewöhnliche Landschaften und seltene Pflanzenarten. Das erst vor gut zehn Jahren entdeckte Moorgebiet wurde nun ins Konzept des Naturgroßprojektes integriert.

Der Pfad erschließt auf 70.000 Quadratmetern ein seltenes Stück Natur. Aber eines, das wie die umgebenden Wälder selbst von Klimawandel und Trockenheit bedroht ist: An vielen Stellen sei das bislang Unvorstellbare eingetreten und das Moor ausgetrocknet, sagte Karl-Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes Jesberg bei der Eröffnung.

Moorpfad in Jesberg: Projekt hat 27.000 Euro gekostet

Doch gerade weil der Klimawandel nun so deutlich sichtbare Spuren in den Wäldern aufweise, komme die Eröffnung des Moorerlebnispfades genau zur richtigen Zeit, sagte Vizelandrat Jürgen Kaufmann: „Die Menschen sind sensibilisiert fürs Thema.“ Indem nun der Pfad für die Öffentlichkeit zugänglich sei, könnten sich Wanderer ein eindrucksvolles Bild vom seltenen Ökosystem machen. 27.000 Euro hat all das gekostet. Mit dem Geld sei ein Projekt umgesetzt worden, von dem aber auch die umliegenden Gemeinden touristisch profitieren können.

Sechs Jahre lang hat der Naturpark Kellerwald-Edersee am Pfad gearbeitet, hat den Weg freigeräumt, eine Bohlenbrücke über noch tropfnasse Stellen geschlagen und große informative Bildtafeln aufgestellt.

Schon während dieser Zeit habe sich das Moor aufgrund der zunehmenden Trockenheit stark verändert, sagt die Geschäftsführerin des Naturparks Kellerwald-Edersee, Kristin Gampfer. Sie freut sich über den Moorpfad als neues touristisches Angebot, denn der Naturpark komme damit auch seinem Bildungsauftrag nach. Der Moorpfad, der quer durch dichten Wald führt, mache einen Mikroskosmos im Moor individuell erfahrbar, sagt Kristin Gampfer. Um das fragile Ökosystem zu schützen, werden Mountainbiker gebeten, den Pfad nicht zu befahren.

Moorpfad in Jesberg: Mikrokosmos zum Kennenlernen

Der Einstieg ist unspektakulär. Der Moor-Erlebnispfad startet zwischen dicht stehenden Fichten, von Wasser, Sumpf und Moor ist nichts zu sehen. Doch der Weg steigert sich mit jeder Kehre, wird immer weicher, immer grüner, immer schöner. Und er führt durch eine Landschaft, die man selten sieht – durchs Mikrokosmos Moor

„Da drüben steht Bärlapp“, sagt Biologe Markus Schönmüller und deutet auf Pflänzchen, die ihre Ärmchen vielleicht zehn Zentimeter hochstrecken. „Vor Millionen Jahren war der Bärlapp noch 60 Meter hoch“, sagt Schönmüller und die Wandergruppe staunt. Wer den Blick für solche Winzigkeiten öffnen kann, der findet am neuen Pfad mit seinen Gräsern, Farnen, Moosen, Pilzen, tatsächlich viel zu bestaunen. Bei vielen Arten handelt es sich um nordische und alpine Pflanzen, die als Eiszeitrelikte gelten. Die Krönung ist das schwere schwarze Moor, das an einer Stelle auftaucht und genauso aussieht, wie man es sich auch vorstellt: ein bisschen beängstigend und doch schön.

Als Markus Schönmüller vor sechs Jahren begann den Weg zu planen, gab es noch mehr dieser Stellen. Mittlerweile sind viele ausgetrocknet, die drei aufeinanderfolgenden Hitzesommer machen sich auch im kühl-feuchten Klima stark bemerkbar, das den Moospfad prägt. Nicht umsonst beeidrucken die Fichten, die an und in ihm stehen, durch sattes Grün. Ein Anblick, der immer seltener wird.

Und wie im echten Leben profitieren die einen vom anderen: Das Quellmoor versorgt die Fichte mit Wasser, die Fichte sorgt für Schatten und damit für das kühl-feuchte Klima, das die Torfschicht braucht, um Feuchtigkeit zu speichern.

Moorpfad in Jesberg: Wildschweine lieben die Gegend

Wildschweine lieben das: „Hier hat sich eine Sau gesuhlt“, sagt Schönmüller und zeigt auf eine zerwühlte Stelle. Das Tier muss glücklich dabei gewesen sein, denn zurzeit müssen viele Waldbewohner kilometerweit laufen, um eine Wasserstelle zu finden, berichtet der Jesberger Forstamtsleiter Karl-Gerhard Nassauer.

Das Thema Trockenheit und Dürre vergällte ein wenig den doch eigentlich fröhlichen Anlass der Moorpfad-Eröffnung am Dienstag. Immer wieder kamen die Forstleute, Naturparkmitarbeiter und Bürgermeister auf den Wassermangel zurück, der deutlich sichtbar am Südhang des Kellerwaldes zu sehen ist: Die Fichten sind braun, die Buchen „ächzen und stöhnen in ihrer Not“, wie es Nassauer formulierte. Auch das Moor braucht Regen, um weiter tun zu können, was es tut: Es bindet Unmengen CO2 und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Wer über den bemoosten und damit unfassbar weichen und fast federnden Boden geht, bekommt mit jedem Schritt eine größere Ahnung von der Bedeutung dieses Ökosystems. „Wer Vergleichbares sehen will, muss weit fahren“, sagt Schönmüller am Ende der Tour. Gut, dass Jesberg um die Ecke ist. (Claudia Brandau)

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