Lager bei Apotheken und Industrie sind leer

Neuer Grippe-Impfstoff ist fast völlig vergriffen

Schwalm-Eder. Schneller als vermutet ging im Landkreis der Vierfach-Grippe-Impfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstmals für ihre Versicherten bezahlen, zur Neige.

Nach Veröffentlichungen, der Impfstoff könne knapp werden, schnellte die Nachfrage in die Höhe.

Noch in der vergangenen Woche sagte Timo Henkel, Inhaber der Stern-Apotheke in Homberg, in zwei bis drei Wochen könne es eng werden. Nach dem Sturm auf den Impfstoff sind seine Vorräte jedoch schon aufgebraucht. „Das gilt nicht nur für unsere Apotheke, sondern auch für den Großhandel“, so Henkel. Bis auf Restbestände ist der Impfstoff-Markt leer gefegt.

Davon berichtet ebenfalls Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes Schwalm-Eder. Mediziner und Patienten hätten im Amt gefragt, woher sie Impfstoff erhalten könnten. Manche Ärzte sahen sich dem Vorwurf der schlechten Vorsorge ausgesetzt. Dabei orderten sie mehr Impfdosen als im Vorjahr. Das bestätigte auch Apotheker Henkel, der ein Drittel mehr Impfstoff als in der vergangenen Saison geordert und verkauft hat.

Dass der Impfstoff vergriffen ist, liege vermutlich am heftigen Verlauf der Grippe zu Jahresbeginn mit einigen Todesfällen im Schwalm-Eder-Kreis. Auch dass in diesem Jahr nur der Vierfach-Impfstoff eingesetzt wird und auch die Meldungen über eine Verknappung hätten wohl zu dem sprunghaften Anstieg der Impfbereitschaft beigetragen, vermutet Dr. Klinge.

Einen weiteren Grund für die Knappheit des Vierfach-Impfstoffs nennt Dr. Bernd Adam, Inhaber der Stadtapotheke in Treysa: Während man früher die benötigten Impfdosen bei mehreren verschiedenen Herstellern bestellen konnte, decke in diesem Jahr nur ein einziger Hersteller den Sprechstundenbedarf ab. Denn nur dieser Hersteller liefere zu dem Preis, der von den Krankenkassen erstattet werde.

Hintergrund

Sie sind besonders gefährdet durch die Grippeviren und sollten sich deshalb unbedingt impfen lassen: Menschen über 60, alle chronisch Kranken und alle mit geschwächter Immunabwehr. „Ich bin da sehr streng und impfe diese Patienten fast zwangsweise“, sagt Birgit Schill, Allgemeinmedizinerin aus Gudensberg. Aber auch sie ist blank, den Vierfach-Impfstoff hat sie nicht mehr. Es gebe noch Reste des Dreifach-Impfstoffs. Sich damit impfen zu lassen, wäre besser als gar nichts, sagt sie. Denn eine Virusgrippe könne durchaus tödlich sein. Die Ärzte-Zeitung hatte berichtet, dass es in diesem Jahr 15,7 Millionen Impfdosen gegeben habe, mehr als üblich. Die Pharmakonzerne würden aber keine Impfstoffe mehr herstellen, so eine Sprecherin des Herstellers Sanofi, die Produktion dauere mehrere Monate. (ula)

Quelle: HNA

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