Marode: Historische Fenster der Stadtkirche Treysa müssen ausgetauscht werden

Neues Glas im Gotteshaus

Baubegehung: Vikarin Anke Breidenbach, Konfirmandin Jennifer Weber, Pfarrer Dieter Schindelmann und Michael Kraus. Fotos:  Rose

Treysa. Gerüste prägen das Bild an der Treysaer Stadtkirche. Und das wird auch in den kommenden Monaten so bleiben. Gerade haben die Arbeiten am Gotteshaus begonnen.

Der Grund sind marode Fenster. Alle historischen Scheiben müssen nach und nach ausgetauscht werden. „Die Fenster wurden in den 1950er-Jahren schlicht falsch eingebaut“, erklärt Pfarrer Dieter Schindelmann. Mit den Jahren hätten sie sich gewellt, Rauten seien gar heraus gefallen.

Ein Weimarer Glasermeister soll es nun richten. Michael Kraus und seine Mitarbeiter fertigen die neuen Fenster an. „Im Durchschnitt nimmt ein Fenster etwa drei Monate in Anspruch“, erklärt er. Jede der Rauten, mit denen die 60 mal 90 Zentimeter großen Fensterfelder bestückt werden, habe man im Betrieb mindestens acht Mal in Händen. Insgesamt 260 Felder würden für die Stadtkirche angefertigt. Die Farbe der Fenster wird den künftigen Charakter der Kirche verändern, sagt Schindelmann: Ursprünglich hatten die Fenster einen Farbton von grau-violett, die neuen werden grau-gelb. Darüber haben Gottesdienstbesucher und Kirchenvorstand abgestimmt. 160 000 Euro sind für die Verglasung veranschlagt. „Mit Folgekosten ist jedoch zu rechnen“, erklärt der Pfarrer. „Die Maßwerke – das sind aufgebrachte, filigrane Steinmetzarbeiten – werden Schäden davon tragen.“

Zeichnungen als Vorlage

Problematisch seien bei den Ursprungsfenstern auch die fehlenden Windeisen gewesen. Das sind Metallelemente, mit denen das Glas ausgesteift wird. „Verbleien allein gibt den Feldern noch nicht genügend Halt“, erläutert Michael Kraus. Für jedes Fenster erstelle er eine individuelle Zeichnung. „Dann wird mathematisch berechnet, wie die Felder neu aufgeteilt werden können“, sagt der Glasermeister.

Die Scheiben würden mundgeblasen, hätten Struktur, manchmal Bläschen – energieeffizient seien sie nicht. „Das dürfen sie in Kirchen auch gar nicht sein. Sonst entsteht Schwamm. Jede Kirche hat ihr eigenes Klima“, sagt Kraus. Am schwierigsten werde der Chorraum: Ziel ist es, die Arbeiten dort noch in diesem Jahr abzuschließen. Mit Beeinträchtigungen für Gottesdienstbesucher sei kaum zu rechnen, erklärt Schindelmann. „Wenn an den Fenstern gearbeitet wird, darf die Orgel nicht gespielt werden.“ Sonst würde das Instrument Staub ansaugen und könne beschädigt werden.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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