Geschichtsverein

Neues Jahrbuch des Geschichtsvereins: Blick aufs alte Naumburg

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Nach dem Brand: 1904 stand der Hessische Hof in Flammen. Das Foto entstand um das Jahr 1910.

Naumburg. Freunde der Naumburger Heimatgeschichte warten alle Jahre wieder gespannt auf das neueste Buch des Geschichtsvereins, das spannende, mitunter auch überraschende Einblicke in die Historie der Stadt, aber auch der Stadtteile verspricht.

Pünktlich zur Jahreshauptversammlung des Vereins wurde nun vor wenigen Tagen die druckfrische Ausgabe eines solchen Jahrbuches vorgelegt mit dem schlichten Titel Mitteilungen 2017.

Gut die Hälfte des großformatigen Bandes, nämlich 93 Seiten, nimmt dabei die Fortsetzung der Haus-Chronik der Stadt Naumburg ein. Der gerade zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählte Dr. Volker Knöppel hat für diese Chronik in Quellen des Staatsarchivs Marburg, in Kirchenbüchern und auch im Stadtarchiv geforscht und wirft einen Blick auf den Hausbestand innerhalb des Stadtmauerrings.

Mehr als 100 Jahre nach dem Brand: Im Erdgeschoss des Hessischen Hofes befindet sich auch heute eine Gaststätte. Foto: Norbert Müller 

In den aktuellen Mitteilungen steht das sogenannte Untergässer Viertel im Mittelpunkt, zu dem weite Bereiche links und rechts der Unteren Straße zwischen Burgstraße und der Straße Vor dem Tor gehören. Zu jedem der dargestellten Häuser gibt es Informationen zur Lage; eine Baubeschreibung und Hinweise zur Nutzung fehlen ebenso wenig wie eine Liste der Eigentümer bis zum Jahr 1950.

Unter der Rubrik Verschiedenes gibt es ganz besondere Fundstücke. So etwa im Fall des Hessischen Hofes an der Unteren Straße einen Augenzeugenbericht vom Brand des Hauses im Juli 1904: „Es war ein klarer Nachmittag. Da erschütterte plötzlich ein dumpfes Zischen die Luft, und eine dicke Rauchwolke hing über dem unteren Teil unserer Stadt. Rufe und Schreie auf der Landstraße rissen mich aus der Erstarrung. (...) Vom Kirchturm wimmerte die Brandglocke. (...) Nun stand ich vor dem Hessischen Hof. Der hintere Teil brannte lichterloh. Die Feuerspritze war da, nur die Leitern waren zu kurz. Das Wasser kam nicht bis an den eigentlichen Brandherd heran. Es saß kein richtiger Druck dahinter. Auch waren die Schläuche nicht dicht. Aus dem Vorderhaus wurden Möbel und Kisten getragen. Männer mit Flaschen im Arm wurden sichtbar. Sie tranken daraus, und die Flaschen wurden weitergereicht. Man war sehr vergnügt und lustig (...).“ Im Wolfhager Kreisblatt stand am 6. Juli 1904, dass der Hessische Hof „fast vollständig niedergebrannt“ sei.

Wie aus dem Bilderbuch: das Haus Graf-Volkwin-Straße 3 auf einem Foto vor 1937. Deutlich sind die aufwendig gearbeiteten Eckständer mit geschnitzter Fratze zu erkennen. Foto:  Geschichtsverein Naumburg/Sammlung Knöppel

Zu den Häusern gibt es in den Mitteilungen alte Fotos, im Fall des Hessischen Hofes eine alte Ansicht aus dem Jahr 1898. Sie werden zum Teil aktuellen Bildern gegenübergestellt, die den Wandel im Stadtbild innerhalb der vergangenen Jahrzehnte deutlich machen.

In den Mitteilungen 2017 gibt es zudem ein Kapitel über frühe Ansätze zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung, Aufsätze zur Sanierung der Altendorfer Bonifatiuskirche und der Naumburger Stadtpfarrkirche, ein Stück kulinarische Heimatkunde, der Ahlen Worscht gewidmet, und den Abdruck einer von Peter Soltau recherchierten Kriminalgeschichte über einen Mann, „der zwei Mal beerdigt wurde“.

Abgerundet wird das Werk, das in einer Auflage von 150 Exemplaren erschienen ist, durch den Pressespiegel und den Blick in die Vereinsarbeit. Vorstandsmitglied Petra Landefeld berichtet dabei über das Erzählcafé, ein Format, das auch in diesem Jahr fortgeführt werden soll. In entspannter Atmosphäre, bei Kaffee und Kuchen, finden die Treffen statt. Meist wird ein Thema vorgegeben – wie Kindheit und Jugend. Die jüngeren Besucher lauschen den Erzählungen der Älteren, deren Erinnerungen als Teil der Naumburger Geschichte dokumentiert werden.

Info: Mitglieder des Geschichtsvereins erhalten die Mitteilungen gratis. Exemplare zum Preis von zwölf Euro gibt es über Hartmut Dorst, 05625/925206.

Quelle: HNA

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