Kampf gegen Leerstand: Das Ehepaar Gontermann hat ein altes Gebäude saniert

Neues Leben fürs alte Haus

Homberg. Gontermanns haben nur wenige Nachbarn. Statt Blumen stehen in den Fenstern der Häuser rundum oft Schilder von Immobilienmaklern. Die Pfarrgasse, die entlang der Homberger Stadtkirche verläuft, gilt bei vielen Interessenten allerdings nicht als erste Adresse, wenn es um ein neues Heim geht.

Jochen und Liljanka Gontermann können das nicht verstehen. Sie haben im Mai ein Haus in der Pfarrgasse gekauft und es saniert. Jetzt sind sie eingezogen – und glücklich mit ihrer Entscheidung. Wer von draußen einen Blick aufs schmale hohe Gebäude wirft, wird das kaum nachvollziehen können. Die Fassade ist noch alt, andere Häuser bedrängen den Bau, der keinen Steinwurf vom Rathaus entfernt liegt. Der Charme des Hauses erschließt sich, wenn man drinnen ist. Wenn man den Mantel an die blaue Tür gehängt hat, die nun eine witzige Garderobe darstellt und die Stufen der uralten Treppe in den ersten Stock nimmt.

Behutsam renoviert

Gontermanns haben behutsam renoviert. Nie wäre es ihnen in den Sinn gekommen, die 300 Jahre alte Treppe herauszureißen und durch eine neue zu ersetzen. Oder die Ecken und Kanten der Lehmwände gerade zu ziehen. „Die Maler wollten sie begradigen: Die waren völlig verblüfft, als ich gesagt habe, dass sie bloß alles wieder schön schief machen sollen“, sagt Gontermann.

Der 58-Jährige ist als Architekt bei der Stadt Homberg beschäftigt. Mit Fachwerk kennt er sich aus, er saniert zurzeit auch mit den Handwerkern das Haus Wicke am Homberger Marktplatz.

Vielleicht konnte er deshalb auch im alten Gebäude schon beim ersten Anschauen all das sehen, was nun auch jeder Besucher sieht: Ein Wohnzimmer, das mit 22 Quadratmetern nicht allzu groß ist, aber Platz für zwei Sofas, einen Schreibtisch, einen Tisch, einen Fernseher und die Hundedecke bietet. Eine Küche, in der man an Barhockern am Tresen sitzen und dem Koch bei der Arbeit zusehen kann. Ein Esszimmer mit einem riesigen Tisch, an dem es sich prima sitzen und feiern lässt. Zwei Bäder, ein Schlaf- und ein Gästezimmer.

Aber es gibt nicht nur ein Drinnen, es gibt auch ein Draußen: Gerade mal 50 Quadratmeter ist das Gärtchen hinter dem Haus groß. „Das reicht völlig für eine Flasche Weißwein, zwei Gläser, meine Frau und mich. Mehr Quadratmeter würden nur mehr Arbeit machen“, sagt Gontermann. „Und falls uns das mal zu eng ist, gehen wir vorn zur Haustür raus und trinken ein Glas Wein auf dem Marktplatz.“ SIEHE WEITERE BERICHTE

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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