Comedyrüpel Ingo Appelt predigt im Kulturzelt: „Frauen sind Göttinnen“

Neues vom Sextherapeuten

Rendezvous im Rotlicht: Ingo Appelt und Zuschauerin Gerhild Schmitt aus Neuental kommen sich auf der Kulturzeltbühne erfrischend nahe. Foto: Ludger Verst

Wolfhagen. „Halleluja, meine Damen! Ihr seid Göttinnen!“, schleimte sich Mister „Schamlos“ Ingo Appelt gleich zu Beginn der gut zweistündigen Bühnenshow bei den Zuschauerinnen ein.

Der Dauerbrenner im Kulturzelt erwies sich auch bei seinem fünften Auftritt in Wolfhagen als sichere Bank für obszönen Humor. Vor allem die Männer bekamen erneut ihr Fett ab.

Spätestens seit Freitagabend dürfte auch dem letzten der rund 500 Zuschauer im Kulturzelt klar geworden sein: Die so genannten Herren der Schöpfung sind nichts weiter als „bedauernswerte Würstchen, die von Frauen zu Recht ausgenutzt werden“.

Einst war der Mann der König der Menschheit, heute sei er ein testosterongesteuertes Sicherheitsrisiko, ein „blöder Dreckskerl“, wie Ingo Appelt das ausdrückt und ihn zugleich meisterhaft selbst darstellt. Mit der Souveränität eines Wanderpredigers macht Appelt in seinem neuen Programm „Göttinnen“ sein Missionsziel klar: „Betet die Frauen an, baut ihnen Denkmäler und sagt zu allem nur noch Ja und Amen.“

„Männer sind bedauernswerte Würstchen, die von Frauen zu Recht ausgenutzt werden.“

Ingo Appelt Comedian

Die Männer im Zelt tragen die Parteinahme für die Frau mit Fassung, kommen sie doch bei der Beschreibung der schönsten Beschäftigung zwischen Mann und Weib voll auf ihre Kosten. Spätestens nach einer Viertelstunde ist der verbale Tabubruch komplett: Was der Pionier der deutschen Comedy-Szene im Kulturzelt allein sexualsprachlich vom Stapel lässt, ist auf der nach unten hin offenen Richterskala des guten Geschmacks kaum mehr messbar.

Die Zuschauer amüsiert Appelts verbaler Rundumschlag, nimmt er doch auf entwaffnende Weise dem geheimnisvollen Dauerthema Sex seine heillos überschätzte Glücksverheißung.

Leider täuscht dieser reißerische Ansatz viele darüber hinweg, dass der Mann mit der früheren Teufelchen-Frisur nicht nur für die niederen Instinkte steht, sondern durchaus vielfältigere Qualitäten besitzt: Wortwitz, Schlagkraft, Ironie, Bösartigkeit und Bühnentauglichkeit sind nur einige davon. Ingo Appelt traut sich was.

Das bewies der Comedy-Star auch am Freitagabend im Kulturzelt. Nach dem Motto „Männer macht man runter, Frauen nimmt man hoch“ holte sich Appelt vor der Pause eine Dame aus dem Publikum und machte ihr auf der Bühne eindeutige Avancen. Gerhild Schmitt aus Neuental-Zimmersrode spielte gut mit: „Ich steh’ nicht so gern im Mittelpunkt, aber einem Künstler aus dem Fernsehen so nahe zu sein, finde ich verlockend“, verriet sie anschließend ganz gerührt. „Mister Schamlos“ hatte sich zuvor mit dem weiblichen Gast lasziv auf dem Bühnenboden geräkelt, was beiden einen Sonderapplaus einbrachte und Schenkelklopfen von den Männern.

Da ist es dann fast verzeihlich, dass der Wort- und Witzakrobat aus dem Rheinland sich in Nordhessen noch nicht so gut auskennt: Auch im fünften Jahr Kulturzelt war er sich ganz sicher, er sei „am Arsch der Welt in Wolfshagen“.

Von Ludger Verst

Quelle: HNA

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