17. Schule ohne Rassismus im Schwalm-Eder-Kreis

Regisseur Stern warnt Steinwaldschüler: "Man wird schnell zum Rassisten"

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Pate: Filmemacher Klaus Stern.

Als der letzte Ton von John Lennons Friedenshymne „Imagine“ von der Lehrerband verklungen war, mischte sich Johlen in den starken Applaus.

Schülerschaft, Elternvertreter, Kollegen und viele Ehrengäste waren richtig begeistert von einer kurzweiligen aber intensiven Feierstunde in der Steinwaldschule, die jetzt die 17. Schule ohne Rassismus im Landkreis ist. Mit Musik, Tanz und prägnanten, kurzen Reden präsentierten sich die Schüler der Integrierten Gesamtschule.

Über fünf Jahre zog sich der Prozess bis zur Aufnahme in die europäische Jugendinitiative und das bundesweite Netzwerk hin. Ein Prozess, der laut der ehemaligen Schulsprecherin Rhoda Kalms jetzt erst so richtig anfange. Um nichts Geringeres als eine „bessere, gerechte Zukunft“ gehe es dabei, rief Schulleiter Olaf Rödiger der Schulgemeinde und den Besuchern zu. Und die Prägung von Deutschland als einem Land ohne Ausgrenzung und diffuse Ängste gegen alles, was fremd ist, was drei Schüler der Theatergruppe Senis-Kurs auf anrührende Weise in einem kleinen Rollenspiel zum Ausdruck brachten.

Tom Werner von der Landkreisinitiative „Gewalt geht nicht“ forderte die Schüler auf, die Beratungs- und Beteiligungsangebote in Anspruch zu nehmen, bevor Donata Schenck zu Schweinsberg von ihren Enkeln erzählte und über die notwendige Zeit zur eigenen Entwicklung junger Menschen sprach. „In der Schule geht es neben dem Lernen darum, Vertrauen zu sich selbst und zum Leben zu fassen“, sagte die Oberaulaerin und ausgebildete Sozialpädagogin. Sie forderte den Einsatz für Schüler auch aus anderen Kulturen.

Prominenter Pate für den neuen Titel der Steinwaldschule ist der Kasseler Filmemacher Klaus Stern. Der gebürtige Wieraer erzählte den Schülern auf den Rängen in der Großsporthalle von sich selbst im Alter von 15, 16 Jahren, als das Mopedfahren das war, was ihn am meisten interessierte. Damals, als er noch Schüler im Ostergrund in Treysa war, sei es ihm selbst passiert, dass er einen farbigen Jungen diskriminierte, was er noch heute, mehr als 30 Jahre später bereue. „Ich möchte euch sagen, wie schnell man zum Rassisten werden kann – und euch bitten, darauf immer zu achten.“

Mit einem Kindermund drückte der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Burkhard Schuldt, es aus: Die Antwort auf die Frage, ob es im Kindergarten auch so viele Ausländer gebe, lautete demnach: „Nö, da sind nur lauter Kinder.“

Vize-Landrat Kaufmann sprach von wieder erwachten Zeiten von Populismus und den Wurzeln von Antisemitismus, die in der Gegend vor Jahrzehnten wucherten, aber leider auch in der jüngeren Vergangenheit. Deshalb sollten die Schüler nicht nachlassen, jedem könne plötzlich Diskriminierung begegnen.

Quelle: HNA

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