Familien und Belegschaft trauern

Treysaer Unternehmerin Horn mit 82 Jahren gestorben

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Stephanie Horn

Treysa. Die Familien Horn und Bauer sowie die Belegschaft der Unternehmensgruppe im In- und Ausland trauern um die Mitbegründerin des Unternehmens Horn und Bauer in Treysa. Stephanie Horn starb im Alter von 82 Jahren.

Geboren wurde sie am 9. April 1930 in Dresden. Dort war sechs Jahre zuvor, 1924, das Unternehmen Papier-Horn gegründet worden. Im Krieg wurde es teilweise zerstört. Der Wiederaufbau durch Theodor Horn gelang zunächst, unterlag aber der schrittweisen Enteignung in der entstehenden DDR.

Inzwischen hatte der in den Westen geflüchtete Joachim Horn seine Frau Stephanie nachgeholt, gemeinsam gingen sie die Herausforderung an. „Ohne sie hätte ich die Neugründung im Westen und den Aufbau des Unternehmens nie geschafft“, sagt Joachim Horn.

Stephanie Horn kam aus der Unternehmerfamilie Paul, die in Dresden einen Glasgroßhandel führte. Mit knapp 20 Jahren sei ihr wie ihrem Mann nur der unternehmerische Mut geblieben, um aus dem Nichts neu zu beginnen, schreibt die Familie, „weder Erfahrung noch eine zielgerichtete, professionelle Ausbildung halfen ihnen dabei“.

Der Papiergroßhandel, den die beiden aufbauten, hatte zunächst den Einzelhandel in der Schwalm als Ziel. Mit einfachsten Mitteln wie Fahrrad mit Hilfsmotor und Leiterwagen wurde die Ware zum Kunden gebracht.

Eine erste Station: In der Wagnergasse in Treysa entstand dieses Bild in den fünfziger Jahren, es zeigt das Ehepaar Stephanie und Joachim Horn.

Nach fast zehn Jahren unter einfachsten Bedingungen in verschiedenen Stationen sei es 1958 gelungen, die Keimzelle des heutigen Unternehmens Horn und Bauer in der Treysaer Friedrich-Ebert-Straße zu bauen. In diesen industriellen Räumlichkeiten wurde Papier konfektioniert (z. B. beim Wickeln von Thermometerverpackungshülsen), erste Konfektionsschritte von Kunststofffolien zu Beuteln folgten. Das neue Fabrikgebäude hatte im vorderen Bereich eine sehr kleine, aber erstmals eigene Wohnung. „Neben dem Aufbau, der bis zu diesem Zeitpunkt viele schwierige Phasen durchlaufen hatte, kam die Aufnahme der aus dem Osten geflohenen drei Geschwister von Joachim Horn, die in Dresden nicht mehr bleiben konnten“, so der Bericht der Familie, „kaum zu glauben, dass es dabei noch möglich war, eine eigene Familie mit den Kindern Felicitas und Jörg zu gründen“.

1958 holte Joachim Horn auch seinen Vater Theodor nach Treysa, der den Aufbau tatkräftig unterstützte.

Stephanie Horn stemmte im Unternehmen organisatorische wie praktische Aufgaben, etwa das Ausfahren der Ware. Viele einfache Konfektionsschritte wurden ausgelagert an bis zu 50 Heimarbeiter, die alle von Stephanie Horn mit Rohmaterial versorgt wurden. Die Fertigware wurde von ihr abgeholt. Vieles blieb noch lange in ihrer Hand.

Heute ist Horn und Bauer ein internationales Unternehmen mit rund 350 Mitarbeitern, drei Produktionsstandorten in Deutschland und drei Tochtergesellschaften in England, Frankreich und Spanien, „aus der Keimzelle ist ein großes, mittelständisches Unternehmen entstanden“, heißt es weiter.

Stephanie Horn starb unerwartet am 5. April, die Urnenbeisetzung findet im engsten Familienkreis statt. (aqu)

Quelle: HNA

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