Studie: ADS wird oft vorschnell festgestellt

Schwalm-Eder. Ritalin ist in aller Munde. Immer mehr Kinder und Jugendliche, insbesondere Jungen, erhalten das Medikament, das ihr Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, kurz ADS, regeln soll.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Techniker-Krankenkasse. Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri, die Leiterin des schulärztlichen Dienstes im Kreisgesundheitsamt Homberg, warnt jedoch vor einer vorschnellen Diagnose.

Zwar seien Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen häufiger. „Aber wenn ein Junge wild und lebhaft ist, wird das manchmal schon als krankhafte Störung interpretiert“, sagt Torunsky-Canaviri. Dabei seien Jungen motorisch aktiver als Mädchen. Eine sichere ADS-Diagnose könne erst ab einem Alter von sieben Jahren gestellt werden. Vorher seien es nur Verdachtsdiagnosen, schließlich würden sich die Kinder emotional entwickeln, und die Konzentrationsfähigkeit reife mit dem Alter.

Im Schwalm-Eder-Kreis kommen auf 1000 Einschulkinder zwei Fälle eines Verdachts auf Aufmerksamkeitsdefizitstörung, sagt Torunsky-Canaviri. Die Eltern erhalten dann die Empfehlung, mit ihrem Kind zum Facharzt zu gehen.

Medikamente wie Ritalin seien aber nicht die einzige Lösung. „Wichtig ist es, dass Kinder regelmäßige Abläufe haben“, sagt Torunsky-Canaviri, „denn in festen Strukturen können sich störanfällige Kinder besser orientieren.“ Davon ist auch die einzige Kinder-psychiaterin im Landkreis, Dr. Rita Rottwilm, überzeugt: „Eltern sollten konsequent bleiben und ihre Kinder liebevoll bestätigen.“

Ihrer Meinung nach gibt es nicht mehr Kinder mit ADS als früher. Stattdessen würden Kinder mit dieser Eigenschaft heutzutage von der Gesellschaft nicht mehr so getragen wie früher. Es herrsche Leistungsdruck: Bereits im Kindergarten würden manche Eltern überlegen, welchen Schulabschluss ihr Kind mal machen soll.

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Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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