Viele traumatisierte Patienten, zu wenig Therapieplätze

Nicht genügend Hilfe für junge Flüchtlinge

Schwalm-Eder. Einige hundert junge Flüchtlinge kommen jährlich ohne Eltern nach Deutschland. 56 von ihnen leben zurzeit im Schwalm-Eder-Kreis, und damit seien die Kapazitäten erschöpft, betonen die Teilnehmer der Fachtagung „Fremd im Landkreis“ der Kompetenzagentur Schwalm-Eder.

„Es handelt sich oft um Kinder und Jugendliche, die entführt wurden. Die als Arbeitssklaven, Sexsklaven und Kindersoldaten leben mussten und denen die Flucht gelungen ist“, sagt Silvia Scheffer von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks. „Sie sind zu früh aus dem Nest gefallen“, erklärt sie. Viele von ihnen seien viel zu jung, um das, was sie erlebt haben, auszuhalten. Fast alle benötigen therapeutische Hilfe.

Diese zu bekommen, ist sehr schwer, das wurde während der Fachtagung deutlich. Vor allem gebe es gerade in ländlichen Regionen nicht genug Therapeuten für die traumatisierten Patienten. Die Folge: Lange Wartezeiten. Oft seien die jungen Leute auch noch gar nicht so weit, sich sprachlich äußern zu können. Viele von ihnen sprechen exotische Sprachen. Deutschkurse seien unverzichtbar.

Nicht alle minderjährigen Flüchtlinge, die allein nach Deutschland kommen, seien traumatisiert. Klar sei, dass sie aber alle aus Ländern kommen, in denen sie nicht mehr sicher leben könnten. „Sie wollen unseren Wohlstand nicht auffressen“, sagt Scheffer. Vielmehr hätten die jungen Leute das natürlichste Anliegen: „Sie wollen in Sicherheit leben, und das ist die Schnittmenge, die uns alle verbindet.“ Viele der jungen Flüchtlinge seien helle Köpfe, bereit zu lernen und sich zu engagieren. „Sie wollen etwas erreichen. Solche Menschen werden doch für Deutschland gerade gesucht“, sagt Scheffer mit Blick auf die Bemühungen der Bundesregierung, junge, leistungsfähige Menschen ins Land zu holen. „Viele von ihnen sind schon hier.“

Von Maja Yüce

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Quelle: HNA

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