Bischof Algermissen diskutierte mit Ursulinenschülern

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Engagierte Diskussion: Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sprach gestern mit Ursulinenschülern in Fritzlar.

Fritzlar. Auch ein Bischof hat nicht die Antwort auf alle Fragen und muss sich sogar manchmal von seiner eigenen Schwester für seine Positionen auslachen lassen. Das und vieles mehr erfuhren gestern die 13. Klassen der Fritzlarer Ursulinenschule.

Zu Gast war Heinz Josef Algermissen, Bischof des Bistums Fulda und somit auch für die katholische Privatschule zuständig. Die Schüler, die übrigens mehrheitlich evangelisch waren, hatten bereits vor den Ferien Fragen vorbereitet. Und sie sparten kein heikles Themen aus.

Kontroverse Debatte

Besonders kontrovers ging es bei den Themen Verhütung und Zölibat zu. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Ehelosigkeit von Priestern und sexuellem Missbrauch an Kindern, sagte Algermissen.

„Was wir im letzten Jahr erlebt haben, ist eine Katastrophe und ein Vertrauensverlust“, sagte er. Der Fritzlarer Fall sei einer der schlimmsten überhaupt und habe noch seinen furchtbarsten Albtraum übertroffen. Vertuscht werde im Bistum Fulda in Sachen Missbrauch nichts: „Das gibt’s bei mir nicht.“ Grundsätzlich werde jeder Fall der Staatsanwaltschaft gemeldet, das sei in seiner zehnjährigen Amtszeit als Bischof immer so gewesen.

Selbstkritisch merkte Algermissen an, dass die katholische Kirche die Opfer zu wenig im Blick gehabt habe und dadurch schuldig geworden sei. Das habe sich nun aber verändert.

Es sei denkbar, dass die katholische Kirche irgendwann verheiratete Priester zulasse, allerdings rechne er nicht in den kommenden Jahren damit. Der Zölibat sei kein Dogma.

Anders sieht es beim Priesteramt für Frauen aus. Hier bezog Algermissen eine klare Position. Jesus und seine Apostel, als deren Nachfolger die Bischöfe verstanden werden, seien Männer gewesen, daher müsse das auch für die Priester gelten. Seine jüngere Schwester, ergänzte Algermissen, lache über diese Argumentation. Über AIDS und das Kondomverbot wurde besonders engagiert debattiert (Artikel unten).

Zugleich betonte er, wie wichtig Frauen für die katholische Kirche seien. So habe er eine persönliche Referentin und viele hochrangige Positionen, etwa an den Universitäten, mit Frauen besetzt. Die Ursulinenschüler erlebten einen freundlichen, aber auch bestimmten Gesprächspartner, der auch sehr persönlich von sich erzählte. Es war kein Blitz, der ihn traf und ihm den Weg zum Priesteramt wies, schilderte Algermissen seinen Weg in den Beruf, sondern die Suche nach Antworten. Und die, so räumte er ein, hat auch ein Bischof nicht immer.

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Quelle: HNA

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