80 Teilnehmer beim 9. Forum Diakonische Kirche in der Hephata-Kirche

Nicht aus der Welt fallen

Forum Diakonische Kirche: Hephata-Direktor Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt, Jugenddiakon Detlef Jacob, Prof. Dr. Andreas Kruse, Prof. Dr. Werner Vogel, Helga Engelke, Landeskirchenrat Horst Rühl (von links). Foto: privat

Schwalmstadt. „Hurra, wir werden älter!? – Gemeinwesen gemeinsam gestalten“, so lautete der Titel des 9. Forums Diakonische Kirche, das im Kirchsaal der Hephata Diakonie in Treysa stattfand. 80 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren gekommen, um in Vortag, Podiumsdiskussion und Arbeitsgruppen die Bedeutungen und Herausforderungen des demografischen Wandels zu diskutieren.

Hephata-Direktor Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt ging in seiner Begrüßung auf die Ambivalenz ein, die der Veranstaltungstitel verdeutlichte: „Ein Ausrufezeichen und ein Fragezeichen stehen hinter ,Hurra, wir werden älter“.“ Dies verleihe zum einen der Freude über eine steigende Lebenserwartung Ausdruck. Zugleich verbinde sich damit jedoch auch die Frage nach den Rahmenbedingungen des Älterwerdens, nach Wohnformen, Pflege und Finanzierung.

Institutsdirektor sprach

Dies war auch Thema des Vortrags von Prof. Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg.

„Die durchschnittliche Lebenserwartung wird in den nächsten Jahren zunehmen. Aber kommen wir auch anthropologisch beziehungsweise ethisch hinterher?“

Die Herausforderung sei es, die gewonnenen Jahre so auszugestalten, dass Menschen sie geistig, seelisch und sozial auch als Gewinn betrachteten. Kruse stellte seinen Vortrag unter drei Begriffe: Die Verletzlichkeit, die Sorge und die Entwicklungspotentiale im Alter.

Die Chance auf ein höheres Lebensalter trage in sich auch Konfrontation mit der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz. Die Vorstellung, man werde 85, 90 Jahre alt und wach dann eines Morgens nicht mehr auf, sei zwar schön, aber nicht unbedingt Realität. „Unsere Vorstellung des hohen Lebensalters ist noch nicht stark entwickelt. Was bedeutet es für mein Verständnis von Leben, dass die Pflegebedürftigkeit einen immer höheren Stellenwert einnehmen wird? Und wie gestalten wir diese Phase des Lebens?“, fragte Kruse. Neben bemerkenswerten Kräften und Potentialen, die das Alter berge, bringe es eben auch eine Verletzlichkeit mit sich, mit der ethisch und fachlich sorgsam umgegangen werden müsse.

Dem Vortrag von Prof. Kruse schloss ich eine Podiumsdiskussion mit ihm, Landeskirchenrat Horst Rühl, Helga Engelke, Stellvertretende Vorsitzende der Landesseniorenvertretung, Stephan G. Reuß, Landrat Werra-Meißner-Kreis, und Moderator Prof. Dr. Werner Vogel, Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen in Hofgeismar, an.

„Wir versuchen die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, die gerade im ländlichen Raum für ältere Menschen wichtig ist“, sagte Reuß. Dazu gehörten unter anderem zwei Lehrgänge des Kreises im Jahr für ehrenamtliche Seniorenbegleiter. (red)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare