Niederbeisheim: Mann bei Beachparty geschlagen – von Nazis, sagt er

Niederbeisheim. Die Frage, was passiert wäre, wenn er nicht die Polizei gerufen hätte, beschäftigt Peter B. (Name geändert) noch heute. Bei der Beachparty in Niederbeisheim wurde der ehemalige Knüllwalder von einem mutmaßlich Rechtsradikalen niedergeschlagen, auf die Nase.

Zusammen mit einem Freund hatte er die Veranstaltung besucht. Und dabei verwundert eine Gruppe von Neonazis wahrgenommen, die sich wie selbstverständlich auf dem Fest bewegte. Um die 15 seien es gewesen, alle deutlich an Glatze und Kleidung als Rechtsradikale zu identifizieren, sagt Peter B. Darüber habe er mit seinem Freund gesprochen, erstaunt gesagt, wie es sein könne, dass deren Anwesenheit für alle anderen Gäste selbstverständlich sei.

Lesen Sie auch:

- Rechte in der Binsförther Feuerwehr: Wehr soll besser gerüstet werden

- Rechtsradikale bei der Feuerwehr: Schon vier Austritte in Binsförth

Einer der Glatzenträger habe das Gespräch gehört und den beiden Freunden gedroht: „Draußen werden wir euch schon zeigen, wer wir sind.“ Für die beiden ehemaligen Knüllwalder stand der Ernst der Lage außer Frage: Sie wendeten sich an den Sicherheitsdienst, sagten, dass sie das Fest durch den Hinterausgang verlassen wollten, da ihnen draußen Nazis auflauerten. Die Securita-Mitarbeiter aber hätten das jedoch verweigert. Dann sei die Situation eskaliert: Einer der Nazis habe ihm die Mütze weggenommen, und im darauffolgenden Gerangel habe er einen Schlag ins Gesicht bekommen, der ihn zu Boden streckte. Der Freund rief die Polizei, die Täter gingen stiften.

Als die Polizei eintraf, waren sie über alle Berge. Bis die Beamten eintrafen, hatten sich die beiden Männer beim Sicherheitsdienst hinter der Absperrung aufgehalten – aus Angst, den Schlägern erneut in die Arme zu laufen.

Peter B. geht es heute wieder gut, aber er will nicht über den Vorfall schweigen. „Es kann doch nicht sein, dass Nazis so stillschweigend mitten in der Gesellschaft geduldet werden.“ Ja, er habe die Gruppe als Nazis beschimpft, aber erst, als er geschlagen worden sei. Dass nun niemand die Situation so erlebt haben will wie er und sein Freund, macht ihn fassungslos: „Genau dieses Wegsehen macht die Rechten doch erst stark.“

Das sagt die Polizei

Nach jetzigem Stand der Ermittlungen habe es bei der Beachparty keine Auffälligkeiten gegeben – bis der 28-Jährige andere Besucher als Nazis tituliert habe, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider.

Doch bis zur endgültigen Einschätzung der Lage müsse man noch viele Zeugen hören. Jetzt gelte es, die Identität der Schläger zu ermitteln und die Tat auf einen rechtsextremen Hintergrund zu prüfen. „Wir nehmen das keinesfalls auf die leichte Schulter.“ Im Gegenteil: Die Polizei im Landkreis sei sehr hellhörig, wenn es um rechtsextreme Tendenzen gehe. Im vergangenen Jahr habe sie mit vielen Kirmesteams und Veranstaltern gesprochen, um sie für die Problematik der Neonazis zu sensibilisieren.

Falls Ärger mit Rechtsradikalen drohe, müsse jeder Veranstalter sofort die Polizei verständigen: Sie komme immer, im Zweifelsfalle auch vorsorglich. (bra)

Das sagt der Veranstalter

Bernhard Wenck vom Niederbeisheimer Mammutteam zeigte sich betroffen vom Vorwurf, dass bei der Beachparty Rechtsradikale geduldet würden. „Es herrschen definitiv keine rechten Tendenzen, weder in Niederbeisheim noch in unserem Team.“ Im Gegenteil: Das sei sich der stets drohenden Gefahr von Rechts durchaus bewusst. Er könne nicht sagen, ob eine Gruppe Skinheads unter den 1000 Besuchern gewesen sei. Er habe ein friedliches Fest erlebt, dessen jahrelanger guter Ruf nun Schaden nehme. (bra)

Das sagt der Sicherheitsdienst

Matthias Schindler, der mit seinem Homberger Sicherheitsdienst in Niederbeisheim im Einsatz war, sagt, dass Peter B. mehrere Männer mit Bomberjacken und wenig Haaren am Kopf provoziert habe. Er habe sie mehrfach „Scheiß-Nazis“ genannt und auch die Warnungen der Sicherheitsleute missachtet. Matthias Schindler will nichts von dem Vorwurf hören, dass der Sicherheitsdienst beim einsetzenden Streit weggeschaut habe: „Solange sie sich an die Gesetze halten, behandeln wir alle gleich.“ (bra)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare