Förderverein denkt ernsthaft über Trägerschaft nach

Die Niederelsunger kämpfen um ihr Freibad

Niederelsungen. In der Dorfgemeinschaft Niederelsungens macht sich große Entschlossenheit breit, das Freibad zu erhalten. 98 Prozent der 324 befragten Haushalte haben sich für einen Erhalt des Bades ausgesprochen, das aufgrund seiner hohen Kosten von der Schließung bedroht ist.

Das sagte jetzt Ralf Meister, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung und Gemeinschaftspflege Niederelsungen. Ein Großteil der Befragten sei zudem bereit, sich persönlich für die Einrichtung zu engagieren, sei es über Spenden oder Arbeitseinsätze. Bis Ende Februar müssten nun Fakten auf den Tisch und vonseiten des Fördervereins eine Aussage her, ob er sich die Übernahme des städtischen Bades in die eigene Trägerschaft zutraut. Dann würde mit der Stadt Wolfhagen ein Übernahmevertrag geschlossen. Die Entscheidung werde auf Grundlage möglicher Einsparungen getroffen. 

Nach Angabe Meisters hätten die Kosten für die Unterhaltung des Bades in der Saison 2016 bei 75 000 Euro gelegen. Mit 35 000 Euro schlagen die Personalkosten am stärksten zu Buche, 12 000 Euro fallen für Strom an, 16 000 Euro für Wasser und Abwasser. 

Keines der Freibäder im Wolfhager Land kommt ohne Zuschüsse durch die Kommune über die Saison. Und für das eine oder andere Bad muss sogar noch tiefer in den öffentlichen Säckel gegriffen werden, als das für die Einrichtung in Niederelsungen der Fall ist. Doch es ist die Entscheidung der kommunalen Gremien, ob sie sich die Subvention leisten wollen oder eben nicht.

Weil der Förderverein in Sand den Betrieb des dortigen Bades nicht mehr stemmen konnte, dreht die Gemeinde Bad Emstal vor wenigen Jahren den Geldhahn zu. Nun steht auch das Freibad Niedereslungen auf der Kippe – der Unterschied: Hier ist die Dorfgemeinschaft gerade dabei, sich zu formieren, um den Betrieb des Bades in Eigenregie zu übernehmen.

Ralf Meister, Chef des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung und Gemeinschaftspflege, möchte die Personalkosten um 20 000 Euro drücken. Sollte der Verein die Trägerschaft übernehmen, würde er bei der Badeaufsicht nicht auf städtische Mitarbeiter zurückgreifen, sondern auf Freiwillige, die für ihren Job eine Aufwandsentschädigung erhalten. Einige von ihnen müssten noch ausgebildet werden.

In einer normalen Saison von Juni bis August müssten etwa 540 Stunden abgedeckt werden. Mit möglichst vielen Personen und einer flexiblen Stundenaufteilung ließe sich die Aufsicht bewerkstelligen, sagt Meister. Weitere Einsparungen erhofft er sich beim Strom. Mit den Stadtwerken Wolfhagen sollen Gespräche geführt werden. Mit dem Austausch der Pumpen könnten weiter Kosten reduziert werden. Im Vorfeld müssten allerdings 24 000 Euro investiert werden, wobei knapp 5000 Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm kämen, sagt Klaus Wenzel, Mitarbeiter der Stadt Wolfhagen. Das Geld werde allerdings nur ausgegeben, wenn das Bad eine Zukunft hat.

Darüber wird in den nächsten Wochen entschieden. Der Verein, der 2004 gegründet wurde und um die 90 Mitglieder hat, arbeitet eng mit der Verwaltung zusammen. Mitte Februar soll es in Niederelsungen eine Bürgerversammlung geben, der Termin steht allerdings noch nicht fest.

Vor- und Nachteile

Im Bad Emstaler Ortsteil Balhorn liegt die Verantwortung fürs Bad seit vier Jahren in den Händen des Fördervereins. Das habe Vor- und Nachteile, sagt der Vorsitzende Ralf Bräutigam. Das Positive: „Wir sind flexibler, können bei wichtigen Entscheidungen schnell reagieren“. Sei etwa kurzfristig eine Investition erforderlich, müsse das Thema nicht durch die kommunalen Gremien. Auch obliege es dem Verein, etwa für Schulklassen Sonderöffnungszeiten oder ein Schwimmen bei Flutlicht anzubieten. Der Nachteil: „Es ist viel Arbeit.“ Jeden Tag müsse das Freibad, nachdem es für Gäste geschlossen ist, zwei Stunden gereinigt werden. Der Förderverein in Balhorn hat 300 Mitglieder. Die Ehrenamtlichen müssten immer wieder motiviert werden. Der Kampf ums Überleben werde im Prinzip jeden Tag geführt. Und sein Ausgang hänge am Einsatz der Ehrenamtlichen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Thon

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