Elf Jahre auf Ausbildungsstelle gewartet

Nils mit Topergebnis im zweiten Anlauf

Zufrieden mit seinem Abschluss: Nils Rzitka aus Fritzlar schloss jetzt seine Lehre als bester Metallbauer im Schwalm-Eder-Kreis ab. Er wurde vom Betrieb Dünzebach und Bernhard Metallbau in Gudensberg übernommen. Foto: Thiery

Fritzlar. Es ist ein bisschen wie im Märchen: Elf Jahre lang hat Nils Rzitka keine Lehrstelle in seinem Wunschberuf als Metallbauer bekommen.

Als es endlich geklappt hatte mit der Lhrstelle, motivierte ihn das so sehr, dass er nun seine Ausbildung zum Metallbauer als Jahrgangsbester abschloss. Er absolvierte die Lehre in der Jugendwerkstatt Felsberg in Zusammenarbeit mit dem Metallbaubetrieb Dünzebach und Bernhard aus Gudensberg.

„Eine späte Karriere, aber jetzt ist endlich alles gut“, sagt der 33-Jährige und wirkt dabei sichtlich zufrieden. Seine Abschlussnoten: eine 1,1 im Schulzeugnis und eine glatte 2 im Fachlichen.

So ausgeglichen war der Fritzlarer lange nicht. Denn die Zeit vor der Ausbildung war für ihn traurig. Er hatte 2003 sein Fachabitur beendet und war seitdem auf der Suche nach einer Ausbildung zum Metallbauer. Er habe hunderte Bewerbungen geschrieben und immer nur Absagen erhalten, sagt er. Seine Schulnoten seien damals wohl zu schlecht gewesen. Elf Jahre hing er in der Warteschleife, lebte bei seinen Eltern und bezog Hartz IV. Immer wieder habe er Angebote vom Arbeitsamt angenommen, einmal eine einjährige berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Doch auch dort gab es keine Perspektive in seinem Wunschberuf. „Ich sollte was anderes machen. Das wollte ich nicht.“ Viele Jahre der Hoffnungslosigkeit habe er erlebt, in der Folge viel herumgehangen, viele Stunden an der Spielekonsole verbracht – ein Kreislauf.

„Ich fühlte mich wieder als Teil der Gesellschaft. Das Leben bekam einen Sinn.“

Nils Rzitka

Doch dann habe sich das Blatt gewendet. „Es hat Klick gemacht in meinem Kopf“, sagt er. Er wollte etwas ändern, raffte sich auf, trieb viel Sport und kümmerte sich um sein Fortkommen im Job. Die endgültige Wende kam, als ihm eine Mitarbeiterin der Arbeitsagentur den Platz in der Jugendwerkstatt Felsberg vermittelte. Das sei ein Glücksfall gewesen. Eigentlich werde das Programm nur bis 25 Jahre gefördert, er war schon 29.

Von da an ging es stetig bergauf. Er bekam seine Chance und wurde in dem Gudensberger Metallbau-Betrieb ausgebildet, der ihn nun übernommen hat. Die Jugendwerkstatt unterstützte ihn, es gab zusätzliche Fachstunden. „Die brauchte er aber nicht lange“, sagt Sozialpädagoge Sven Holtkamp. Es habe sich schnell herausgestellt, dass er ein guter Schüler ist.

Die Arbeit in dem Betrieb machte ihm von Beginn an Spaß, weil er gefordert worden sei. „Je mehr Verantwortung ich bekam, desto mehr wuchs meine Motivation“, sagt er. „Ich fühlte mich wieder als Teil der Gesellschaft. Das Leben bekam einen Sinn.“ Auch weil er gespürt habe, dass er gebraucht werde. Gestärkt haben ihn auch die Unterstützung der Pädagogen und die Aussicht, dreieinhalb Jahre Zeit für seine berufliche und persönliche Entwicklung zu haben.

Quelle: HNA

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