Gesamtschule setzt auf mehr Verantwortung bei den Schülern

Nobel auf dem Klo

Ambiente: Schulleiter Karl-Adam Stiebeling ist nicht etwa im Nobel-Restaurant, sondern auf der Schultoilette. Mit Detailverliebtheit wurden diese saniert. Der pädagogische Hintergrund: Die Schüler sollen Verantwortung übernehmen. Fotos: Dewert

Gudensberg. Nur murrend gehen viele Lehrer der Dr. Georg-August-Zinn-Schule in Gudensberg auf die Personaltoilette. Dort hat sich nämlich nichts verändert. Im Gegensatz zu den Toiletten der Jungen und Mädchen. Stilvolles Licht, Kronleuchter, Seifen- und Tuchspender aus gebürstetem Metall und schicke raumfüllende Spiegel. Fehlt eigentlich nur der Plüsch auf dem Sitz.

„Bis vor kurzem standen vor den Spiegeln sogar Kosmetik-Pröbchen“, sagt Schulleiter Karl-Adam Stiebeling. Gesponsert von der Schule. Die seien mittlerweile verbraucht und der Apell an die Schüler, doch wieder welche hinzustellen, fruchtete nicht.

Aber alle anderen Überlegungen, die die Lehrer der Gesamtschule angestellt haben, schon. Denn die Toiletten sind nachmittags in einem wesentlichen besseren Zustand als zu Zeiten vor der Sanierung.

„Es gab Schüler, die haben sich geweigert ab dem Mittag auf die Schulklos zu gehen“, sagt Stiebeling. Zu eklig seien die ihnen gewesen. Die Pädagogen haben die Schüler jetzt mit ins Boot genommen. Zusammen mit der Schülervertretung und dem Landkreis als Schulträger entwickelten sie ein im Landkreis einzigartiges Konzept. Mit den hippen Toiletten sollen die Schüler in die Verantwortung genommen werden, sich um diese zu kümmern. Mit Erfolg, wie die vergangenen zwei Wochen gezeigt haben.

Umbau kostete 50 000 Euro

Aus den 70er-Jahren stammten die alten Toiletten: „Eine Sanierung war dringend nötig“, sagt Stellvertreter Peter Häßel. 50 000 Euro hat der Umbau der Schultoiletten gekostet. Mit der selben Summe hätte auch die Standardvariante zu Buche geschlagen. Für Extrawünsche und Accessoires hat der Förderverein in seine Schatulle gegriffen.

Zum Beispiel gibt es neuerdings Zwitschertafeln (in Anlehnung an engl. twittern) in und an den Kabinen und Kreidehalter. Die berüchtigten Toilettensprüche sind jetzt mit einem Wisch wieder weg. Vorbei auch die Zeiten, als sich Mädchen Hygienebeutel beim Hausmeister holen mussten.

Verputzte Wände, ein niedrigerer Fliesenspiegel und ein schicker Fußboden: Der Gesamteindruck der Toiletten ist tatsächlich einladend.

Ärgerlich: Wegen eines Vandalen sind die Jungen-Toiletten derzeit geschlossen. Ein Unbekannter hatte unter anderem mutwillig in die Klobürstenhalterung uriniert. Wer muss, muss derzeit auf die Toiletten in der Turnhalle. In einer Schulvollversammlung soll der Vorfall zum Thema gemacht werden, sagt Stiebeling. Er hoffe, dass er die Toiletten dann wieder öffnen könne.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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