Gerd Appel von der Tschernobyl-Hilfe besuchte die Region des ersten Supergaus

Die Not ist noch immer groß

Trotz Medienfokus auf Japan: Gerd Appel und seine Mitstreiter der Tschernobyl-Hilfe wollen auch künftig ihre Freunde in Russland unterstützen.

Burghasungen. Es ist wohl die Ironie des Schicksals, dass die schrecklichen Ereignisse in Japan dem heutigen 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe eine ungeahnte Aktualität verleihen. Ein Vierteljahrhundert hatte die einstigen Sorgen schon langsam verblassen lassen, die die Explosion am frühen Morgen des 26. April in Block vier des Atomkraftwerkes in Tschernobyl ausgelöst hatte. Dabei leiden noch heute Millionen Menschen unter den Folgen.

Das hat Gerd Appel Anfang April wieder mit eigenen Augen sehen dürfen. Als Vertreter der Tschernobyl-Hilfe Burghasungen/Küllstedt war er in die Krisenregion gereist, um Hilfsgüter zu überbringen und sich über die heutige Situation einen Eindruck zu verschaffen. „Die Not ist nach wie vor sehr groß“, berichtet der engagierte Burghasunger. Die Angst, dass alle Hilfe nun auf Fukushima ausgerichtet werde, sei enorm.

Diese Angst konnte er den Freunden zumindest in Bezug auf die Tschernobyl-Hilfe Burghasungen/Küllstedt nehmen, denn die Mitglieder stehen zu ihrem Wort: „Wir wollen weiter helfen, auch wenn das Interesse weitläufig abgenommen hat und wir immer mehr Probleme haben, Gasteltern für die Besuche von Kindern aus Tschernobyl zu finden“. Appel gibt sich optimistisch, dass die Katastrophe in Japan die Thematik wieder ins Bewusstsein der Menschen ruft.

„Wir haben immer mehr Probleme, Gasteltern für die Besuche von Kindern aus Tschernobyl zu finden.“

Gerd Appel

Trotz aller Schwierigkeiten, die diesjährige Freizeit steht. Vom 25. Juni bis 17. Juli sollen 22 Jungen und Mädchen unbeschwerte Tage im Wolfhager Land verbringen. Einiges ist neu in diesem Jahr, worüber er während seines Besuchs auch die dortigen Freunde informierte. Allerhand gab es zu besprechen für die dreiwöchige Freizeit mit Ganztagsbetreuung in der Villa-Kunterbunt.

Doch auch für Besuche verschiedener Einrichtungen fand Appel während seiner einwöchigen Reise Zeit. Die seien wichtig, um ein Gefühl für die eigene Arbeit zu bekommen, sagt er. So habe er selbst beispielsweise viel aus dem Besuch einer neuen Tschernobyl-Klinik in Novo Belitza ziehen können. Zwölf Dosen Spezialnahrung für Problemkinder hat er dort abgegeben, was Kinderärztin Irina Rosmashevswkaya kaum fassen konnte. Sie habe sich im Namen ihres Landes für das wertvolle Geschenk bedankt.

Bitte um Hilfe

Auch seine Visite in der Poliklinik Vetka habe gezeigt, wie wichtig die Hilfsarbeit auch heute noch ist. „Ich wurde um Hilfe gebeten für einen neuen Kindergarten, in dem elternlose sowie kranke Kinder mit Lungenproblemen und Wachstumsstörungen untergebracht sind“, berichtet Appel. Gemeinsam mit seinen Kollegen der Tschernobyl-Hilfe wird er sicher auch hier einen Weg der Unterstützung finden, motiviert durch die noch frischen Eindrücke seiner Reise in eine fast vergessene Krisenregion.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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