Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtages, war zu Gast in Neukirchen

Treffen im Kneippheilbad: von links Staatssekretär Mark Weinmeister, Bundestagsmitglied Bernd Siebert, Stadtverbandsvorsitzender Jürgen Lepper, Landtagspräsident Norbert Kartmann, Bürgermeister Klemens Olbrich und CDU-Fraktionsvorsitzender Martin Theune. Foto: Rose

„Ich habe mehr Haare und bin kräftiger. Aber ich habe auch nicht so viele Sorgen", begrüßte Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtages, am Sonntagabend die Gäste beim Neujahrsempfang des Stadtverbandes Neukirchen.

Die waren trotz der Wetterlage in die Knüllstadt gekommen, um ursprünglich Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, zu lauschen. Der hatte jedoch laut Vorsitzendem Jürgen Lepper kurzfristig wegen eines Termins in Berlin absagen müssen.

Kartmann, der in Butzbach lebt, freute sich, wieder einmal im Schwalm-Eder-Kreis sein zu dürfen: „Und immerhin sind die drei gewichtigsten Menschen der CDU heute Abend auch hier“, erklärte er mit Blick auf seine Tischnachbarn Mark Weinmeister und Bernd Siebert. Auch den „Ewigkeitsbürgrmeister“ Klemens Olbrich treffe er immer gern. Neujahrsempfänge hätten ihre Tradition: „Und das aus gutem Sinn.“ Gelte es doch, aus der Vergangenheit zu lernen und in den Blick in die Zukunft zu richten.

Viele Aufgaben

Entscheidend sei in diesem Jahr, „über uns zu reden und das Gemeinwesen zu stemmen“. Bis in die Ortsvereine hinein kämen viele Aufgaben auf die Menschen zu: sowohl im Haupt- als im Ehrenamt. Letzteres gelte es besonders zu stärken. „Es bleibt dabei für diese bisweilen schwierigen Funktionen zu werben“, sagte Kartmann. „Es werden in Zukunft noch mehr Bedürfnisse entstehen.“

„Nicht wählen zu gehen bedeutet, immer die Falschen zu stärken.“

2017 werde ein Richtungswahljahr sein. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir Einfluss in die Wahlurne bringen können“, erklärte der Politiker. Vergleichsweise logisch sei die Wahlarithmetik: „Nicht wählen zu gehen bedeutet immer, die Falschen zu stärken.“ Nichtwähler kämen zwar zurück - häufig aber zu neuen Parteien. Das politische Spektrum habe sich in den vergangenen 70 Jahren permanent erweitert. Das sei nicht zu beklagen, sondern eine zu schlichte Entwicklung.

Brexit und Trump

Zukunft sei nicht immer als Fortgang der Vergangenheit zu zeichnen: „Niemand hätte vor kurzem an den Brexit oder an Trump geglaubt - beides beeinflusst die Politik.“ Die Frage sei, wie man miteinander umgehe.

Dass das Land nicht untergehe, sehe man an der Bildung anderer Koalitionen. „Wir werden den Lauf der Zeit nicht aufhalten. Wir werden ihn steuern müssen“, sagte Kartmann. Das Wort Demokratie sei ihm häufig zu „ausgelutscht“. Das Wesentliche an Demokratie sei der Streit: „Das Fundament ist die offene Debatte.“ Die Mitte sei gezeichnet. Aber der Maßstab eines funktionierenden Staates seien die Leitplanken, zeichnete der Politiker ein Sinnbild. „Es geht weiter - ich hoffe, in unserem Sinn.“

Staatssekretär Mark Weinmeister ging auf den Aspekt der Inneren Sicherheit ein: „Demokratie muss am Ende wehrhaft sein. Das hat uns Weimar gelehrt.“ Und Bundestagsabgeordneter Bernd Siebert war überzeugt: „Die große Koalition ist deutlich besser als ihr Ruf in den Medien.“

Kontra Trägheit

Das Schlusswort oblag Bürgermeister Olbrich, der mahnte: „Die große Koalition führt zu Schlafmützigkeit. Diese Trägheit sollten wir uns nicht zu Eigen machen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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