First Responder: Elf Ersthelfer sind im Gilserberger Hochland im Einsatz

Im Notfall beim Nachbarn

Als erste zur Stelle : Jörg Herche, Jens Möller, Reiner Dippel, Thomas Schlung (hinten, von links) sowie Thomas Gömpel, Frank Hahn und Markus Schneider (vorn, von links) sind First Responder in der Gemeinde Gilserberg. Fotos:  Rose

Gilserberg. Es sind Nachbarn, Bekannte, zum Teil Freunde, denen Markus Schneider zu Hilfe eilt. Er ist einer von insgesamt elf ausgebildeten Ersthelfern des Systems First Responder im Gilserberger Hochland. Seit sieben Jahren rücken die Ersthelfer aus. 40 bis 60 Einsätze absolvieren sie pro Jahr.

„Meist im häuslichen Umfeld und meist internistische Notfälle“, erklärt der Leiter der Gruppe Thomas Schlung. Voraussetzung für die umfangreiche Ausbildung, die 72 Stunden umfasst, ist, dass man bereits als Sanitäter in der Feuerwehr, im Rettungsdienst oder als Krankenschwester tätig ist. Der Lehrgang erfolgt in Vollzeit, zwei Wochen lang. Teilweise werde man vom Arbeitgeber dafür freigestellt, auch zahle das Land den Ausfall, sagt Jörg Herche.

Zum 1. November 2007 gingen die Ersthelfer an den Start. „Wir haben uns ein halbes Jahr lang wöchentlich getroffen, um uns abzustimmen und Abläufe zu trainieren“, erzählt Jens Möller. Nicht immer wissen die First Responder, was sie bei einer Alarmierung erwartet. Möller verdeutlicht: „Es gibt ein Einsatzstichwort. Das bezieht sich aber darauf, was der Anrufer der Leitstelle gesagt hat. Man kann immer auch etwas anderes vorfinden.“

Zwischen zwei und vier Minuten brauchen die Ersthelfer zum Einsatzort, denn sie wohnen verteilt im gesamten Gemeindegebiet. „Es besteht jedoch kein Anspruch auf den Ersthelfer. Der, der gerade am nächsten dran ist, fährt hin“, sagt Schlung. Aber in 98 Prozent der Alarmierungen sei auch ein First Responder vor Ort. Die größte Herausforderung, aber auch Chance sei, dass man „zu Nachbarn gehe“, erklärt Markus Schneider: „Wenn es gut ausgeht, ist es ein tolles Gefühl. Aber man muss auch damit fertig werden, dass man unter Umständen nicht mehr helfen konnte.“

Über das Erlebte sprechen die Ersthelfer in der Gruppe. Genau wie Ärzte und Rettungsdienstpersonal haben auch die First Responder eine Schweigepflicht. „Am Anfang sind wir häufig gefragt worden, was los war. Mittlerweile wissen die Leute, dass sie keine Antwort bekommen“, erklärt Möller.

Frank Hahn erzählt: „Oft sind es auch die kleinen Dinge, die helfen: Patienten und Angehörige beruhigen, die Hand halten.“ Zu den Aufgaben der First Responder gehört die Überprüfung der Vitalwerte, des Blutdrucks, wenn nötig, die Gabe von Sauerstoff. „Unsere Aufgabe ist es, die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft, zu überbrücken. Dazu kann auch eine Reanimation gehören“, verdeutlicht Herche. Und Markus Schneider ergänzt: „Wenn man auf Hilfe wartet, können fünf Minuten verdammt lang sein.“ Trifft der Rettungsdienst ein, ziehen sich die Ersthelfer zurück: „Bei Bedarf helfen wir beim Tragen oder bereiten Infusionen vor.

„Mittlerweile kommt das beim Rettungsdienst positiv an. Anfangs dachten die, wir nehmen ihnen die Arbeit weg“, sagt Schneider. „Aber wenn die Politik auf die Idee kommt, einen Rettungswagen einzusparen, ziehen wir uns zurück - so viel ist klar.“ Die First Responder Gilserberg sind der örtlichen Feuerwehr angeschlossen. „Damit sind wir die einzigen im Kreis. Alle anderen Teams sind dem Roten Kreuz angeschlossen“, sagt Thomas Schlung.

• Kontakt: Thomas Schlung, Leiter der First Responder Gruppe Gilserberg, Email tschlung@web.de

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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