Nothfelder Drechslermeister beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Holz

Nothfelden. Vieles hat sich verändert, dies gilt auch für die Berufswelt. Wir stellen in unserer Serie „Alte Berufe“ einige altertümliche Berufe vor. Auch im Fokus stehen die Menschen, die teils noch wie vor 100 Jahren arbeiten.

Bernd Gerhold kennt sich mit Holz sehr gut aus. Der gelernte Drechslermeister schaut konzentriert durch seine Brille auf das Werkstück, das mit 2000 Umdrehungen in der Minute rotiert. Die Holzspäne fliegen am Gesicht des 54-Jährigen vorbei und landen auf seinem roten Pullover. Der Nothfelder führt seit fast 20 Jahren den Betrieb seines Vaters. Der Drechslermeister ist auch Tischler und Zimmermann. Ebenfalls seit vielen Jahren stellt er Holzspielzeug her.

Der Beruf des Drechslers sei schon sehr alt. „Die ersten Anfänge finden sich schon vor 3500 bis 4000 Jahren im chinesischen Raum“, sagt Bernd Gerhold. „Der Drechsler war ein sehr angesehener Beruf.“ Als Handwerker ist der Nothfeldener in seinem Beruf heute in erster Linie Zulieferer für den Möbel- oder Treppenbau. „Im Bereich der Restauration fertige ich auch alte Modelle wieder nach“, sagt der Drechslermeister.

Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich Bernd Gerhold mit dem Naturmaterial und liebt vor allem die freie Formgebung in seinem Handwerksberuf. „Beim Handdrechseln kann ich das Werkstück jeder Form anpassen“, sagt der Nothfelder. Für den Beruf brauche man vor allem ein sehr gutes Formgefühl, zeichnerische Fähigkeiten und Mathematikkenntnisse.

Leben könne man von der reinen Drechsler-Arbeit kaum noch, betont Bernd Gerhold. Und so hat der 54-Jährige vor ein paar Jahren eine neue Leidenschaft entdeckt. Er baut finnische Grillhäuser. „Was mich an der Drechsler-Arbeit immer gestört hat, ist, dass ich nie das Endprodukt gesehen habe“, sagt Bernd Gerhold. „Beim Grillhaus mache ich alles vom kleinsten Nagel bis zur Tür.“

Für den Drechslermeister ist der Unterschied zwischen industriell hergestellten und handgedrehten Werkstücken ganz klar. „Handgedrehte Werkstücke sind langlebiger“, betont Bernd Gerhold. „Außerdem kann man nicht jede Form mit der Maschine drehen, da diese an bestimmte Gradzahlen gebunden ist.“

Trotz der jahrelangen Berufserfahrung gibt es noch immer Momente, bei denen sich Bernd Gerhold besonders konzentrieren muss. „Es gibt sehr kostbare Materialien wie Elfenbein oder Rosenholz.“ Bei denen sollten möglichst keine Fehler passieren. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben dem Drechslermeister nie den Spaß an seinem Beruf genommen.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Uminski, Johanna

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