Platt aus Kindermund: Obba on d‘r Chrestbööm

Wernswig. „D’r Obba schlech sech in d’n Waald onn wull’en Chrestbööm langen“, einstimmig rezitieren die Kinder der Grundschule in Wernswig das Gedicht vom Opa mit seinem Christbaum.

14 Kinder treffen sich immer freitags von 11.45 bis 12.30 Uhr zur Mundart-Arbeitsgemeinschaft. Seit drei Jahren leitet der pensionierte Lehrer Roland Siebert die AG. „Die Kinder sind mit Leib und Seele dabei“, sagt Siebert, „die Begeisterung wird von den Elternhäusern genährt.“

Der ehemalige Englischlehrer studiert mit den Grundschülern kleine Gedichte und Sinnsprüche ein. Vor zwei Jahren kam eine ehemalige Klassenkameradin von Roland Siebert hinzu, um den Mundart-Unterricht mit ihm zu gestalten. Architektin Ingrid Wenk aus Berge leitet die Gruppe mit an: „Sonst gerät unser Platt in Vergessenheit.“

Die Kinder sind beim Aufsagen der Sprüche emsig bei der Sache. Josefine Brandt, Katja Albrecht und Dana Matthias aus der dritten und vierten Klasse recken ihre Finger nach oben. Jedes der Kinder kann ein kleines Repertoire an Mundart-Sprüchen aufsagen.

Auch Hausaufgaben bekommen sie auf. Die machen sie zu Hause mit den Eltern oder Großeltern. Die neunjährige Jolina Harle aus Wernswig kann zu Hause mit niemandem Mundart üben. „Ich geh immer zu einer Frau, die bei uns in der Straße wohnt“, erzählt das Mädchen.

Von Dorf zu Dorf anders

Untereinander sprechen Roland Siebert und Ingrid Wenk manchmal Mundart miteinander. Wobei es zwischen den einzelnen Dörfern Unterschiede in der Sprache gebe, weiß Siebert. So spreche er Homberger Hochland-Platt, während seine ehemalige Klassenkameradin im Homberger Tieflandplatt rede.

„Die Mundart wird nie aussterben“, da ist sich Roland Siebert sicher. Er ist der Ansicht, das Platt werde zwar nicht als tägliche Sprache, sondern in Form von kurzen Texten und Gedichten weitergegeben. Deshalb leitet er auch die Mundart-AG in der Wernswiger Grundschule. „Gern würde ich noch an mehr Schulen Mundart-Unterricht geben“, sagt der Dorheimer. Die Kinder nehmen das Angebot sehr gut an.

„Mir macht die Sprache Spaß“, sagt der zehnjährige Jonas Meier aus Rodemann. Er übt mit seiner Mutter Platt zu Hause. Auch der neunjährige Janik Matthias übt außerhalb der Schule fleißig mit seinem Opa.

Nach den Winterferien beginnen die Kinder mit den Proben für das Sommerfest. Dort werden sie ein kleines Theaterstück aufführen. Der neunjährige Luca Mentel möchte dort gern der „Obba“ sein.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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