Historisches Film- und Fotomaterial

Basalt für Pflastersteine: Die Geschichte vom Steinbruch Nöll in Oberaula 

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Traditionsbetrieb: Das Foto zeigt den Brecher am Oberaulaer Nöll. Es entstand 1950.

Oberaula. Früher sicherte der Steinbruch Nöll in Oberaula Beschäftigung und Einkommen. Historisches Film- und Fotomaterial erzählt von der Geschichte. 

Alte Rechnungsbücher weisen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf zwei Steinbrüche hin – auf einen Kalksteinbruch mit  und auf den Basaltsteinbruch auf der Nöllkuppe.

Erste Eintragungen aus dem Jahre 1817 berichten über die Steinentnahmen. Dieser Episode der Geschichte widmet der Verein Ovilah Historia zur 1150-Jahrfeier in Oberaula einen Vortrag, eine Ausstellung und eine Wanderung.

Vom Steinbruch Nöll auf die Straße – als Pflasterstein

Die wirtschaftliche Bedeutung des Steinbruchs begann im Jahr 1905. Vor dieser Zeit gab es in Oberaula nicht ausreichend Arbeitsplätze. Viele junge Menschen wanderten in die Ballungszentren ab. Ein Wendepunkt stellte die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Hersfeld/Oberaula/Treysa dar. Mitarbeiter von Bahn und Post siedelten sich im Ort an.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Basalt des Nöll zunehmend gebraucht: als Straßenpflaster. Allerdings mussten Mitarbeiter erst lernen, die grob gebrochenen Basaltsteine zu bearbeiten, um daraus verwendbare Pflastersteine herzustellen.

Transport per Bahn: Das Bild aus dem Jahre 1940 zeigt Julius Peter und Hans Ide in der Werkbahn der Casseler Basaltindustrie.

Hierzu holte man sich Facharbeiter, sogenannte Steinrichter, aus der Wetterau, Nordhessen und dem Harz. Es entstanden neue Arbeitsplätze. Die Belegschaft steigerte sich von angeblich 16 auf 60 und wuchs bis zum Jahr 1930 auf etwa 300 Arbeiter an. In den Jahren 1924 bis 1930 arbeiteten etwa 150 Steinrichter in 80 Richterhütten.

Anfangs wurden hauptsächlich Schotter und verschiedene Größen von Pflastersteinen hergestellt. Zu den Aufträgen gehörten 1928 auch Reparationsleistungen an Frankreich. Um das Jahr 1930 wurden jährlich etwa 120 000 Tonnen Straßenbaumaterial produziert und abtransportiert.

Transport verlagerte sich von den Schienen auf die Straße

Die schwere Arbeit verrichteten Steinbrecher, Steinspalter, Steinrichter, Sprengmeister und Mitarbeiter, die für die Ladearbeiten an den Loren, Rollwagen, Loks, später am Muldenkipper, zuständig waren. Wurde der Basalt anfangs noch per Hand herausgebrochen, wurde er später durch Sprengungen gelöst.

Zu Beginn der Arbeiten wurden die Basaltprodukte noch über dem alten Brecher an der Friedigeröder Straße gebrochen und dann mit zwei Gespannen vor einem schweren, mit eisenbereiften Wagen zum Bahnhof gefahren und dort per Hand verladen. Neben dem Gleissystem, das für den Betrieb und die Lagerung benötigt wurde, baute man später eine einspurige Bahn. Zu Beginn der 1950er-Jahre verlagerte sich der Transport auf die Straße. 1960 wurde die Bahnverladung eingestellt.

Die Natur hat sich die Fläche zurückerobert: Das Foto zeigt den Nöll bei Oberaula aus der Luft.

Der einst blühende Wirtschaftszweig Basaltindustrie neigte sich dem Ende zu: Der Betrieb wurde 1998 eingestellt. Längst hat sich die Natur ihre Fläche zurückerobert und zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Quelle: HNA

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