Tag der offenen Tür im Stadtarchiv

Prinz-Käse aus Felsberg war einst weltberühmt

Der Schornstein steht schon lange nicht mehr: Blick auf die alte Molkerei in Gensungen von Nordwesten im Jahre 1956. Diese Gebäude wurden 1960 abgerissen. Unten der ehemalige Bahnübergang am Gasthaus zum Bahnhof der Familie Kamm, rechts. Dieser Übergang wurde nach Fertigstellung der neuen Brücke über Bahn und Eder geschlossen. Über dem Schornstein die ehemalige Gensunger Schule.

Gensungen. Prinz-Camembert und Felsberg-Käse, der Tilsiter und Gewürzkäse mit Schnittlauch, Paprika und Pfeffer waren einst Spitzenprodukte der Gensunger Molkerei.

Käse aus dieser Fabrik wurden sogar nach Italien, in die USA und nach Japan geliefert, erzählt Harry Janke. Der heute 87 Jahre alte Molkereimeister kam 1955 in das Gensunger Unternehmen. Der Heimatvertriebene war viele Jahre Produktionsleiter und hat 1982 das Licht ausmachen müssen, als das Unternehmen dem Molkereisterben zum Opfer fiel. Schöne Bilder erinnern an die Molkerei. Gezeigt werden sie - mit vielen anderen - am Sonntag, 20. Januar, beim Tag der offenen Tür des Stadtarchivs Felsberg an der Poststraße 6 in Gensungen.

Ab 14 Uhr sind nicht nur Raritäten zu bewundern. Es gibt Waffeln und Kaffee, Wieland Schallers 1986 gedrehter Film "700 Jahre Stadtrechte Felsberg" wird gezeigt. Handel, Handwerk und Gewerbe in Felsberg, Gensungen und Rhünda stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung, die auch echte Hingucker präsentiert - Menschen bei früheren Festen etwa. Oder die früheren Packerinnen der Molkerei in ihrer blau-weißen Tracht.

Unter der Regie von Bürgermeister Johann Heinrich Clobes wurde die Fabrik 1890/91 als Genossenschaftsmolkerei gebaut. 1893 wurde sie an Heinrich Prinz verkauft. Der brachte, weiß Harry Janke, aus Lothringen die Kenntnis mit, Camembert herzustellen. Janke: "Französische Produkte durften eigentlich in Deutschland nicht hergestellt werden, aber Heinrich Prinz hat es geschafft."

Gensungen war die erste Molkerei in Deutschland, die Camembert produzierte. Über die Expressgutabfertigung des gegenüberliegenden Bahnhofes wurde der Prinz-Camembert auch nach dem Krieg in alle Teile Deutschlands geliefert, in allen D-Zügen der Bundesbahn wurde dafür geworben. Camembert und weitere Spezialitäten aus Gensungen gingen per Bahn nach Hamburg und wurden dort für den Export aufs Schiff verladen.

"Es war immer unser Bestreben, etwas Besonderes zu machen", sagt Harry Janke. Edamer und Mozzarella seien zum Beispiel in Italien sehr beliebt gewesen, große Mengen des Rahm-Käses mit 50 Prozent Fett wurde nicht nur zu den Weltjugendfestspielen in die damalige DDR geliefert. Die Idee für den Felsberg-Käse, ein Schnittkäse, kam aus Finnland.

Die Sonderausstellung bietet Einblicke in weitere Betriebe, die es schon lange nicht mehr gibt zum Beispiel die alte Schmiede Kropf in Felsberg oder das Sägewerk Fröhlich in Gensungen, heute Raiffeisen.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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