Jochen Heinemann ist als Bestatter rund um die Uhr im Wolfhager Land einsatzbereit

„Oft ein mulmiges Gefühl“

Sein Beruf wird nie zur Routine: Jochen Heinemann versucht als Fachgeprüfter Bestatter jede Beerdigung individuell nach den Wünschen der Verstorbenen und Angehörigen zu gestalten. Foto:  Skrzyszowski

Wolfhagen. Das Sterben gehört zu seinem Leben. Nahezu täglich. Und doch wird es nie zur Routine. Jeder Tag ist anders – für Jochen Heinemann als Fachgeprüfter Bestatter eine Herausforderung. Es ist die Ungewissheit.

„Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nie, was mich heute erwartet“, sagt Heinemann, der das Familienunternehmen in Wolfhagen in der fünften Generation betreibt – gemeinsam mit seinem Vater Werner und seinem Sohn Henning Heinemann.

Schon als Kind wollte Jochen Heinemann Bestatter werden. Auf der einen Seite ist es der Umgang mit Menschen, der ihn fasziniert – sie in schweren Stunden zu betreuen. „Wir versuchen den Angehörigen soviel wie möglich abzunehmen“, erklärt der 48-Jährige. Auf der anderen Seite sei es oft ein mulmiges Gefühl, das ihn bei seiner Arbeit begleitet. Jochen Heinemann muss nicht lange überlegen. Er erinnert sich an viele schwere Verkehrsunfälle, bei denen er im Einsatz war. „Das passiert. Aber ich denke so oft, es könnte deine Familie sein“, sagt Heinemann.

365 Tage im Jahr sind die Bestatter einsatzbereit. Das Telefon klingelt Tag und Nacht. Auch wenn Jochen Heinemann gelernt hat, mit dem Tod umzugehen, fühlt er mit den Angehörigen. „Gerade hier in der ländlichen Gegend hat man zu vielen Menschen ein persönlicheres Verhältnis“, sagt er. „Man kennt sich eben.“ Gerade in solchen Momenten ist das Einfühlungsvermögen die wichtigste Eigenschaft in seinem Beruf. Obwohl das Aussprechen des Beileids und persönliche Gespräche mit den Angehörigen seit Jahren zu seinem Alltag gehören, sei es manchmal schwer, bestimmte Worte über die Lippen zu bringen. „Da fließen auch heute immer nochmal Tränen“, sagt der 48-Jährige.

Denn wenn Angehörige in seinem Abschiedszimmer um Verstorbene trauern, sind Jochen Heinemann, sein Vater oder sein Sohn meist dabei. „Wir lassen die Trauernden nie alleine“, erklärt der Wolfhager. Damit die Bestatter ihnen beim Trauern zur Seite stehen können, müssen sie sich gegenseitig Halt geben. „Wir sprechen in der Familie darüber. Aber Diskretion ist wichtig. Davon dringt kein Wort nach außen“, betont Heinemann.

„Ein Stück Erinnerung“

So traurig viele Momente im Berufsalltag der Bestatter auch sind. Sie sind diejenigen, die Verstorbene und Angehörige auf ihrem letzten Weg begleiten. „Wir schaffen ein Stück Erinnerung“, sagt Jochen Heinemann. Jede Beerdigung sei individuell. „Wir wollen den Abschied nach den Wünschen der Verstorbenen und Angehörigen gestalten. Die Geschmäcker sind verschieden.“ Er müsse aber vor allem zu dem Verstorbenen passen. „Wir haben Tote auch schon in einer Feuerwehruniform beerdigt“, sagt Heinemann.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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