Iranische Familie musste wegen Glaubens aus  Heimat flüchten

Iranische Familie musste wegen Glaubens aus Heimat flüchten

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Hoffen in Wolfhagen bleiben zu dürfen: Maryam Parikhahzarmehr, Tochter Armina und Afshin Abdollahi sind aus dem Iran geflüchtet, weil sie als Christen verfolgt wurden.

Wolfhagen. Wie fühlt sich Todesangst an? Bei Maryam Parikhahzarmehr stolperte das Herz, ihr wurde schwarz vor Augen und sie bekam keine Luft mehr. Im Flugzeug erhielt sie Sauerstoff.

Die überstürzte Flucht aus ihrem Heimatland Iran mit Ehemann Afshin Abdollahi und der achtjährigen Tochter Armina hat der 33-jährigen stark zugesetzt. Und nicht nur ihr. Armina ist traumatisiert, sie musste zusehen, wie ein Mensch hingerichtet wurde.

Eine Strafe, vor der sich auch die Familie fürchtet, die von Schleppern über Italien nach Deutschland gebracht wurde. Sie lebten einen Monat in der Flüchtlingsunterkunft Pommernanlage und konnten mit Unterstützung der kirchlichen Arbeitsgruppe vor Weihnachten eine Wohnung in Wolfhagen beziehen. „Wir sind vom Islam zum Christentum übergetreten und dadurch in Gefahr geraten, dies wird im Islam mit dem Tode bestraft“, erzählt Parikhahzarmehr. Die Iraner sind keine Armutsflüchtlinge. Sie lebten in einem eigenen Haus in Schiras und waren beide Lehrer an der Highschool. Sie trafen sich heimlich mit anderen Christen in privaten Häusern und lebten so ihren Glauben.

In den Fokus der Glaubenshüter war das Ehepaar durch zwei Vorfälle geraten. Die 33-jährige lud oft Studenten in ihr Haus zum Lernen ein. Einer davon sah dort eine Bibel und machte dies öffentlich. Fast zeitgleich befand sich ihr Mann Abdollahi, der auch als Ausbilder einer großen Hilfsorganisation aktiv war, bei einem Erdbebeneinsatz. „Für eine Woche ist unsere Gruppe dort hingefahren, und wir Christen beteten für die Opfer. Dabei wurden wir gefilmt“, berichtet Abdollahi.

„Nachdem auch Freude von uns verhaftet wurden, entschieden wir, unser Leben zu retten und das Land zu verlassen. Wir wollten an einen Ort, wo wir frei zu unserem Gott beten dürfen“, so die Iranerin. Sie ließen alles zurück und flüchtete mit nichts als einem Koffer.

„Für uns bricht eine Welt zusammen, wenn wir Wolfhagen verlassen müssen. Die Menschen, die wir hier kennengelernt haben, und die Mitchristen sind unsere Familie geworden.“

Die Familie ist sicher, diesen Ort in Wolfhagen gefunden zu haben. „Die Drei haben sich innerhalb kürzester Zeit in unsere Gemeinde integriert“, sagt Ursula Muth vom ökumenischen Arbeitskreis Flüchtlinge.

Taufe an Weihnachten: Die iranische Flüchtlingsfamilie mit Bürgermeister Reinhard Schaake. Foto: Dreisbach

Beide singen im Kirchenchor, der 47-jährige Abdollahi engagiert sich ehrenamtlich im Altersheim. Er hat inzwischen Kontakt mit dem örtlichen Roten Kreuz aufgenommen und hofft auch dort helfen zu können. Die beiden gestalten Gottesdienste mit und haben sich Weihnachten taufen lassen. Taufpate für Armina ist Kirchenrat Günther Dreisbach.

Ohne Angst in Wolfhagen zu leben und zu arbeiten, ist der größte Neujahrswunsch der Familie. Doch dieses Ziel ist in weiter Ferne. Die Angst vor Abschiebung ist allgegenwärtig. Der Schlepper vernichtete die Pässe der Familie. Mit großer Mühe versuchen sie derzeit, ihre Identität nachzuweisen.

Weiteres Problem ist der ungewollte Zwischenaufenthalt in Italien. Nach dem sogenannten Dublinverfahren findet das Asylverfahren in dem Land statt, wo der Asylsuchende zuerst ausländischen Boden betreten hat. „Für uns bricht eine Welt zusammen, wenn wir Wolfhagen verlassen müssen. Die Menschen, die wir hier kennengelernt haben, und die Mitchristen sind unsere Familie geworden“, sagt Maryam Parikhahzarmehr.

Quelle: HNA

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