Diabetikertag: 230 Menschen informierten sich über neue Behandlungsmethoden

Nie ohne Traubenzucker

Behalten ihren Blutzucker im Blick: Dorothea und Walter Schneider aus Schorbach (links) ließen sich bei ihrem Rundgang am Samstagvormittag von Katharina Schaffrath, Mitarbeiterin in der Philipps-Apotheke Ziegenhain, den Blutzucker messen. Foto: Rose

Ziegenhain. Jeder zehnte Deutsche leidet am Diabetes. Damit gehört die Stoffelwechselstörung zu den häufigsten Volkskrankheiten. Über Behandlungsmethoden, Folgeerkrankungen und technische Entwicklungen informierten sich am Samstag 230 Besucher beim Diabetikertag des Asklepios-Klinikums Ziegenhain in der Kulturhalle.

Dr. Hans-Joachim Müller, Leitender Oberarzt der Abteilung Nierenerkrankungen am Klinikum Fulda, sprach zum Thema Bluthochdruck. Eine Standardtherapie gebe es hier nicht. Häufig hätten Diabetiker nicht nur Herz-, sondern auch Nierenprobleme. Beides lasse sich aber nur dann adäquat behandeln, wenn der Patient an Gewicht abnehme. „Das fängt im Kopf an, nicht an den Füßen“, sagte Müller.

Tipp: Weniger salzen

Auch empfehle er dringend, Salz zu reduzieren. Optimal sei eine Tagesdosis von unter fünf Gramm. „Würzen Sie stattdessen mit Kräutern“, erläuterte er. Bei einer Gewichtsabnahme von 20 Kilo reduziere sich auch die Gabe der Tabletten. Und zwar exakt um die Hälfte.

Diabetologe Dr. Ralf Weber erklärte, dass vor allem bei der Behandlung der Folgeerkrankungen die ersten fünf Jahre entscheidend seien. Generell stellten sich nach etwa zehn bis 20 Jahren bei jedem Diabetiker diese Erkrankungen ein – häufig jedoch unbemerkt. „Bluthochdruck tut nicht weh.“

Auch Veränderungen im Auge würden häufig erst spät bemerkt. Hierzu referierte Augenarzt Dr. Ralph Lorenz. Nachdem viele Jahre ausschließlich mit Lasertechnik behandelt wurde, gebe es mittlerweile neue medikamentöse Möglichkeiten.

In der Diabetes-Behandlung selbst sei die Tablettentherapie jedoch rückschrittig. „Sie verursacht bei vielen Patienten Nierenprobleme“, erklärte der Experte. Neue Erkenntnisse gebe es auch zum Thema Unterzuckerung, sagte Weber. „Häufige Unterzuckerung führt zu Demenz.“ Ursache sei, dass der Unterzucker eine akute Störung im Stoffwechsel der Gehirnzellen auslöse. „Und zwar so stark, dass Nervenzellen langfristig geschädigt sind.“

Dabei könne der Patient selbst vorbeugen. Er sollte stets ein Döschen Traubenzucker bei sich tragen. Tipp vom Experten: „Damit der Patient das Döschen im Notfall schnell findet, bitte immer an derselben Stelle tragen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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