Die Operngala wurde wegen des Wetters nach drinnen verlegt

Schöne Arien beim Kultursommer in Fritzlarer Stadthalle

Stimmkraft in der Stadthalle: Die Operngala des Kultursommers fand wegen Regens nicht vor dem Dom statt. Foto: Zerhau

Fritzlar. „Cruda sorte!“, schreckliches Schicksal! An die Arie aus Gioachino Rossinis Oper „L’italiana in Algeri“ mögen die Verantwortlichen des Kultursommers gedacht haben, als sich um halb sieben, zweieinhalb Stunden vor Beginn der geplanten Opern-Gala unter freiem Himmel vor dem Dom, ein übles Gewitter entlud. Die Verlegung in die Stadthalle war unumgänglich.

Die Schwüle des Tages hing noch im großen Saal und bei geschlossenen Augen konnte man sich so wie in der Arena von Verona fühlen – wo freilich Kartoffelpuffer und Currywurst nicht zum Pausenbuffet gehören. Zwei Sängerinnen und drei Sänger waren für die Gala aufgeboten, deren Programm für Freunde schöner Arien kaum etwas zu wünschen übrig ließ.

Nach einer Folge von sechs Nummern aus Bizets „Carmen“ kamen Puccini, Rossini, Leoncavallo und natürlich Verdi zu Wort beziehungsweise Ton. Bei der berühmten Habanera der Carmen zeigte es sich, dass die serbische Mezzosopranistin Ivana Milasinovic, hätte man die fünf in einem Sängerwettstreit gegeneinander antreten lassen, mit weitem Abstand den ersten Preis erzielt hätte. Mit großem Volumen, aber auch mit der Fähigkeit, eine Rolle zu gestalten, sang sie Carmens Ohrwurm, später auch Rossinis „Cruda sorte“ und die Arie der Eboli „O, don fatale“ aus Verdis „Don Carlos“.

Große Stimmkraft

An großer Stimmkraft mangelte es auch den anderen nicht. Besonders der südafrikanische Tenor Gérard Le Roux und der serbische Bariton Stevica Krajinovic füllten den Saal mühelos mit ihren Stimmen. Kraft rangierte dabei allerdings weit vor Schönheit. Rolf Sostmann (Tenor) dagegen sang schwankend, in den Höhen gut, in mittleren und tiefen Lagen brüchig. Bei der Bildnisarie aus Mozarts „Zauberflöte“ war dies schmerzlich zu erleben. Auch bei der Luxemburgerin Patricia Freres war Mozart der Stolperstein. Paminas Arie „Ach, ich fühl’s“ misslang hörbar, während das süße „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“ sehr lyrisch und rührend geriet.

Die Smetana-Philharmoniker dirigierte Hans Richter (ein Urenkel des berühmten Wagner-Dirigenten). Das Orchester aus Prag, das in sehr kleiner Besetzung auftrat, erfüllte seine Pflichten routiniert, wenn auch ohne den geringsten Funken. Blickkontakt mit dem etwas undeutlich leitenden Dirigenten hielten die meisten nicht für erforderlich. ARTIKEL LINKS

Von Johannes Mundry

Quelle: HNA

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