Oldtimer-Schrauber sucht einen Nachfolger

Rollende Briten erfüllen sein Leben: Heinz Diestertich ist Spezialist für Oldtimer

+
Kümmert sich im Fritzlarer Stadtteil Wehren um britische Raritäten auf vier Rädern: Heinz Diestertich an einem MG TD. 

Wehren. Seit sieben Jahren kümmert sich Heinz Diestertich in einem umgebauten Stall in Fritzlar-Wehren um englische Autoklassiker. 

Konzentriert sitzt Heinz Diestertich an seinem Schreibtisch. Vor ihm das englischsprachige MG TD-Werkstatthandbuch, während der Patient in seiner Werkstatt namens "Healey Nord“ nur ein paar Meter weiter auf die Behandlung wartet. "Eine Motorrevision steht an, und da muss ich mich dann doch ein bisschen einlesen", meint der Kfz-Meister lächelnd, der sich seit 2011 in einem ehemaligen Pferdestall an der Dorlaer Straße um rollende, alte Briten kümmert.

Mit einem kaputten Motor hatte 1981 alles angefangen. Ein Austin-Healey-Fahrer aus Kassel hatte Diestertich kontaktiert, der sich zuvor innerhalb von zwei Jahren selbst einen Healey neu aufgebaut hatte und damals noch beim heutigen Ferrari-Händler Eberlein in Kassel als Motorrad-Spezialist beschäftigt war.

Der Roadster-Fan half und eröffnete schließlich 1983 seine Werkstatt in Niedervellmar. "Als Motorrad-Mechaniker war ich im Winter meist arbeitslos und konnte mich so um die Autos meiner Kunden kümmern", erzählt er rückblickend.    Bis der akribische Tüftler von seiner Selbstständigkeit leben kann, vergehen allerdings noch fünf Jahre. Fortan läuft es aber für den in Kassel geborenen Nordhessen, der erst nach Hessisch Lichtenau zieht, ehe er nach 21 Jahren im Werra-Meißner-Kreis den ehemaligen Pferdezuchtbetrieb an der Wehrener Ortsdurchfahrt zur Werkstatt umbaut und das Firmenschild – einen durchgesägten Austin Healey mit der Aufschrift "Healey Nord" – vor die Tore des um 1890 erbauten Stalls hängt. "Die Pferdestärken sind geblieben", fügt er grinsend an. Das Werkstatthandbuch liegt mittlerweile vor ihm auf dem Schreibtisch.

Ein Schwarz-Weiß-Foto lässt erahnen, dass der fast 65 Jahre alte MG dann doch deutlich komplizierter ist, als man denkt. "Ja", sagt der 63 Jahre alte Werkstatt-Chef, "Wenn ich jetzt einen Meister auf die Arbeit mit den alten Briten vorbereiten würde, bräuchte ich ungefähr zwei Jahre. Eigentlich will ich ja auch in zwei Jahren aufhören, weil ich dann 65 bin." Der erfahrene Schrauber wirkt nachdenklich, als er durch seine Halle läuft. Die teilt sich der schneeweiße TD momentan mit einem Jaguar Mark II, einer Harley Davidson und einem zerlegten Austin Healey.

"Ich fange auf jeden Fall schon mal an, meinen Kundenstamm aus dem In- und Ausland zu verkleinern", sagt er, während der Luftfilterkasten des Jaguars abgeschraubt wird. Und das, obwohl noch gar nicht sicher ist, wie es weitergeht – einen Nachfolger hat der Oldtimer-Spezialist noch nicht gefunden.

Sicher ist eigentlich nur, dass den leidenschaftlichen Motorrad- und Fahrradfahrer das Schrauben weiterhin begleiten wird. Neben dem Healey wartet nämlich auch noch die Harley auf Zuneigung. "Das sind aber nicht die einzigen Projekte", gibt er verschmitzt zu. Ruhestand wird bei ihm wohl doch eher wenig mit Ruhe zu tun haben.

Nachgefragt: Oldtimer als Wertanlage?

Für viele Anleger ist es die wichtigste Frage: Wie vermehre ich mein Geld in diesen Zeiten? Wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik wenden sich immer mehr Menschen von Aktien & Co. ab – manche investieren lieber in Young- und Oldtimer. Was muss man dabei beachten? Hier gibt es die wichtigsten Antworten.

Wie haben sich die Preise der Young- und Oldtimer entwickelt?

Sie sind in der Vergangenheit gestiegen. Zuletzt lag der durchschnittliche Preis-Zuwachs eines Autos in gutem Zustand mit 4,4 Prozent (im Jahr 2016) laut des Verbands der Automobilindustrie (VDA) etwas unter dem von 2015 (5,6 Prozent).

Welche Modelle haben sich besonders gut entwickelt?

Unter den 88 Fahrzeugen, die auf dem deutschen Markt laut VDA am gängigsten sind, haben sich seit 1999 der VW Bus (1967-1972) und der als „Ente“ bekannte Citroën 2 CV 6 (1969-1976) am besten entwickelt.

Sollte man beim Kauf einen Experten zurate ziehen?

"Ja", sagt Oldtimer-Spezialist Heinz Diestertich. Erfahrung ist auf jeden Fall wichtig. Deswegen biete ich meinen Kunden auch an, sie bei Besichtigungen zu begleiten. Einmal wollte ein Händler beispielsweise 137 000 Euro für ein Auto haben. Dass die Karosserie in einem schlechten Zustand und der Wagen diesen Betrag nicht wert war, konnten wir erst mit einem Lackmesser feststellen.

Was muss man nach dem Kauf unbedingt beachten?

Erhaltung, Wartung, Reparaturen und Unterstellmöglichkeiten sind die Schlagworte, die man auf gar keinen Fall unterschätzen sollte. Die Garage muss das Auto auf jeden Fall vor Wind und Wetter sowie den Schäden durch Frost und Feuchtigkeit schützen. Rost frisst den Ertrag unter Umständen schnell auf. Zudem sollte der Wagen fahrbereit sein. Möchte man selbst Ausfahrten unternehmen, kommen Steuer, Versicherung, TÜV-Gebühren sowie Kosten für Schilder, die Zulassung und den Sprit hinzu.

Wo liegt der grundlegende Unterschied zwischen Young- und Oldtimern?

Ein Youngtimer ist ein älteres Auto, das als Liebhaberstück gepflegt wird. Es ist noch zu jung, um Oldtimer zu sein. Als solcher gelten Fahrzeuge ab 30 Jahren.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.