Landtagswahl in Hessen

Oliver Ulloth (SPD) will auf dem Rasen faire Spiele und im Wahlkampf viele Stimmen

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Vom aktiven Spieler zum Schiedsrichter: SPD-Kandidat Oliver Ulloth nimmt sich neben Job, Kommunalpolitik und Wahlkampf noch Zeit für den Fußballnachwuchs. Als Schiri pfeift er Jugendspiele.  

Kreis Kassel. Am 28. Oktober wählt Hessen einen Landtag. Im Wahlkreis Kassel-Land I, zu dem die Altkreise Wolfhagen und Hofgeismar gehören sowie Espenau und Fuldatal, bewerben sich sieben Kandidaten. Wir stellen die Bewerber vor. Heute: Oliver Ulloth. 

Kämpfen, das hat Oliver Ulloth früh gelernt. Schon als Siebenjähriger gab er auf dem Fußballplatz keinen Ball verloren. „Ein wirklich großer Spieler war ich trotzdem nicht“, sagt der 34-Jährige, der vor Monaten erneut den Kampf aufgenommen hat.

Jetzt geht es dem SPD-Mann aus Vellmar darum, Wähler zu überzeugen. Sein Ziel: Er will Ende Oktober den Wahlkreis gewinnen.

Mit achtundzwanzig hängte der Verteidiger die Fußballschuhe an den Nagel. Fünf Jahre später nahm er sie wieder ab, nun in der Rolle des Schiedsrichters. „Als ich in der Jugend gekickt habe, ist nie ein Spiel ausgefallen. Für die Jungs da auf dem Platz soll das genauso sein“, sagt Ulloth und deutet auf die A-Jugend-Spieler der JSG Fuldatal und des SV Nordshausen, deren Partie er an diesem Tag pfeift. Es ist seine zweite Saison als Schiri, erst im vergangenen Jahr hat er den Schein gemacht: „Ich wollte zurück auf den Platz.“ Und weil es besonders im Jugendbereich zu wenig Unparteiische gibt, wollte er sich einbringen.

Auf dem Spielfeld verschafft sich Ulloth Respekt, indem er mit den Teams spricht. Er sagt ihnen, dass er Lust hat auf ein faires Spiel ohne Stress und strahlt dabei Ruhe aus. „Wenn du eine Begegnung nur über Karten regeln kannst, machst du etwas falsch“, sagt der Sportler, der bislang noch nie Gelb oder Rot zücken musste. „Du musst das Spiel fühlen können, ein Gespür entwickeln“, eine Fähigkeit, die dem Kreistagspolitiker und Stadtverordneten nicht nur auf dem Rasen hilft.

Sein Wahlkampf führt ihn in alle Orte seines Wahlkreises und bringt ihn zusammen mit vielen Menschen. Auch dabei geht es ihm darum, den Leuten zuzuhören, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Sorgen zu verstehen und sich in sie einzufühlen. Volle Kalender nimmt er in Kauf. Das Jugend-Spiel war an diesem Tag nur einer von vielen Terminen. Zuvor besuchte er den 60. Geburtstag des DRK-Ortsvereins Wolfhagen, in Udenhausen traf er sich beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr mit Helfern und Rettern, danach ehrte er in Bad Karlshafen verdiente Sozialdemokraten und im Anschluss an das Fußballspiel in Fuldatal reiste er nach Hofgeismar, dort beteiligte er sich am 24-Stunden-Schwimmen.

Der 34-Jährige, dessen hugenottischen Vorfahren sich in Wenigenhasungen niederließen und der mit seiner Familie ins Wolfhager Land zurück möchte, wirft viel in seinen Wahlkampf. Ohne Willenskraft und die Überzeugung, für die Region in Wiesbaden etwas reißen zu können, würde anderen bei diesem Pensum wohl bald der Atem ausgehen. „Entweder die Menschen wollen mich oder sie wollen mich nicht“, sagt Ulloth, dessen Platz nicht über die Liste abgesichert ist.

Sollte er den Sprung in den Landtag schaffen, will er dem Fußball und dem Nachwuchs treu bleiben: „Dann werde ich weiterhin pfeifen.“ Fitnessstudios sind nicht sein Ding. Er hält sich lieber als Schiri fit und kombiniert es mit gesellschaftlichem Engagement.

Seine politischen Ziele

Für Oliver Ulloth gibt es derzeit eine Fülle an Themen, die er angehen will. So laufe der ländliche Raum Gefahr, in seiner Entwicklung abgehängt zu werden. Das gelte für die Nahversorgung, die medizinische Versorgung und die Mobilität. Menschen außerhalb Kassels, die auf das Auto verzichten wollen, hätten Probleme, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Das gleiche gelte für den Schülerverkehr. Die drohende Schließung von Schwimm- und Freibädern sei ein weiterer Punkt, der zu einem Attraktivitätsverlust des ländlichen Raumes führen würde. Der Sozialdemokrat will dagegen ankämpfen. 

Ganz wichtig ist Ulloth das Thema Salz-Pipeline zur Weser: „Die ist absolut überflüssig. Es gibt andere technische Lösungen.“ Die Einmaligkeit der Reinhardswaldregion dürfe nicht den Plänen von K+S geopfert werden.

 Ein Unding sei auch, dass die hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Calden seit Januar zwar geschlossen, aber von der Landesregierung auf Standby geschaltet ist und so Investoren abschreckt, sich im Gewerbegebiet niederzulassen. 

Und noch zwei Aufgaben streicht er heraus: Die Versorgung mit Breitband muss deutlich verbessert werden, und zwar flächendeckend. Ferner will er sich für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge einsetzen. Gerade junge Familie, die vielleicht eine Immobilie abzahlen, aber auch für ältere Menschen mit kleiner Rente seien Bescheide mit fünfstelligen Beträgen „sehr schicksalhaft“.

Zur Person: Oliver Ulloth (34) wurde in Kassel geboren und wuchs als Kind einer Arbeiterfamilie in Vellmar auf. Er studierte Jura an der Universität Göttingen und ist Rechtsreferent. Weil die Firma, bei der sein Vater angestellt war, in die Insolvenz ging, entschied er sich gegen einen Beruf als Jurist. Gemeinsam mit seinem Vater machte er sich selbstständig. Seit acht Jahren ist er weltweit im Bereich der Projektierung im Maschinenbau tätig, seine Kunden kommen aus der Recycling- und Automobilindustrie. Seit 2005 ist er SPD-Mitglied, seit 2006 Stadtverordneter in Vellmar und seit 2011 Mitglied im Kreistag. Zu seinen Hobbys zählt Sport in jeder Form. Oliver Ulloth ist verheiratet und hat einen Sohn.

Quelle: HNA

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