Rolf Jacobi genießt den Panoramablick vom Rand des Alten Waldes in Naumburg übers Elbetal

Dem Olymp ein Stückchen näher

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Im Campingstuhl auf der Wiese vorm Alten Wald: Rolf Jacobi an seinem Lieblingsplatz, der ihn mit einem weiten Blick ins Land belohnt. Links im Hintergrund die Weidelsburg, in der Mitte Naumburg, rechts das Elbetal und der Hattenhäuser Wald.

Naumburg. Wie oft Rolf Jacobi hier oben am Rande des Alten Waldes bei Naumburg schon gesessen hat, kann er nicht sagen. Die dickbäuchige Eiche am Wegesrand kennt er seit seiner Kindheit.

Als er einst mit seiner Cousine mit einem kleinen Handwagen Holz aus dem Wald holte und sich plötzlich eine Rotte Wildsauen am Waldrand bemerkbar machten, boten ihre starken Äste Zuflucht. Viel später, als Erwachsener, zog es ihn immer wieder zu diesem besonderen Platz hin, auf die Wiese, auf die der Baum ab dem späten Nachmittag bis heute seinen sanften Schatten wirft.

Aber er musste diesen Ort erst wieder entdecken. Als 19-Jähriger verließ Rolf Jacobi Naumburg, ging zur Polizei nach Köln, um dort Berufsmusiker im Polizeiorchester zu werden. Schnell wurde er im Rheinland heimisch, der kölsche Dialekt schwingt auch heute noch mit, wenn er erzählt.

„Wenn die Feuerzungen am Himmel um den Burghain herumwandern zur Warte, das ist ein erhebendes Bild.“

Beispielsweise davon, dass er Naumburg nie untreu wurde. Fünf bis sechs Mal im Jahr zog es ihn in seine alte Heimat, zu Verwandten und Freunden. Bald reiste er mit dem eigenen Wohnmobil an, mit Ehefrau und den Kindern. Und wenn man dann die Netzer Grenze hinter sich gelassen hatte, dauerte es nur noch wenige Minuten bis zur Wiese an der alten Eiche. Dort wurde immer Quartier gemacht und die erste Nacht verbracht.

Nach der Ankunft stellte er seinen Campingstuhl auf die Wiese und ließ das Panorama auf sich wirken. Ganz links die Weidelsburg, dann die Stadt Naumburg, das Elbetal und im Hintergrund all die Basaltkuppen, die die Landschaft prägen. Bis heute hat der Ort für Jacobi nichts von seiner Faszination verloren.

Seit gut zwölf Jahren wohnt er mit seiner Frau Adele im Naumburger Familienstammhaus, dem früheren Kurfürsten in der Altstadt, den er großzügig renoviert hat. Und immer wieder zieht es ihn zur alten Eiche. Er genießt es, wenn der Abend kommt, „wenn die Feuerzungen am Himmel um den Burghain herumwandern zur Warte. Das ist ein erhebendes Bild.“

Blick am frühen Morgen

Aber das Größte bleibt für ihn der Blick Richtung Osten am frühen Morgen, wenn der Nebel noch über allem liegt, dann langsam der Turm der Stadtpfarrkirche aus dem Dunst auftaucht, die Sonne sich über die Kuppen des Hattenhäuser Waldes schiebt. „Da fühlt man sich wie über den Wolken, dem Olymp etwa näher“, sagt der 72-Jährige.

„Dem Hirn Türen und Fenster öffnen“, sollte man dann, um die ganze Schönheit aufnehmen zu können, wenn man den Blick schweifen lässt, der Fantasie freien Lauf lassen und träumen.

Kraft getankt

So hat er früher bei seinen Besuchen Kraft getankt für den beruflichen Alltag im Rheinland. Und auch heute findet der Pensionär hier Entspannung, wenn er inne hält auf seinen Wanderungen, die ihn in den Alten Wald führen. Manchmal, verrät Rolf Jacobi, darf es auch die Notlösung sein: „Dann packe ich den Klappstuhl ins Auto, fahre hier hoch, und setze mich hin zum Ausspannen.“ Es ist und bleibt sein bevorzugter Ort zum Entschleunigen und zum Genießen: „Es ist einfach schön, dieses Landschaftsgemälde zu betrachten.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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