35-Jähriger muss in Gefängnis

Zwei Überfälle mit Schreckschussrevolver: Opfer wehrte sich mit Wok

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Die Waffe: Mit Hilfe dieses Schreckschussrevolver und der Sturmhaube erpresste der Angeklagte unter anderem den halben Liter Polamidon in einer Neuentaler Apotheke.

Marburg/Schwalm. Bedrohungen mit einem Revolver und Gegenwehr mit Wok und Messer waren Thema bei einem Prozess vor dem Landgericht in Marburg.

Weil er in einem Kiosk in Schwalmstadt und in einer Apotheke in Neuental mit einem Schreckschussrevolver Geld erpressen wollte, muss ein 35-jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Carsten Paul verurteilte den Berufs- und erwerbslosen Mann wegen einer versuchten und einer vollendeten schweren räuberischen Erpressung.

Der drogenabhängige Mann hatte im März zunächst einen Imbiss in Schwalmstadt überfallen. Den Kioskbesitzer bedrohte er dabei mit einem geladenen Schreckschussrevolver und damit versucht, das Geld aus der Kioskkasse zu bekommen. Nicht gerechnet hatte der Täter mit der vehementen Gegenwehr des Kioskinhabers: Bewaffnet mit einer hastig ergriffenen Wokpfanne und einem Messer gelang es dem Kioksbesitzer, den Angreifer in die Flucht zu schlagen. Dabei hatte der Täter mit dem Revolver noch in Richtung des Inhabers geschossen und ihn dabei geringfügig verletzt.

Bereits wenige Tage später erschien er mit einer Sturmhaube bekleidet und ebenfalls mit dem Revolver in der Hand in einer Neuentaler Apotheke und forderte von der Apothekerin die Herausgabe des Kasseninhaltes. Die Frau verstaute unverzüglich rund 1000 Euro in einer Plastiktüte. Nach Herausgabe einer Flasche mit einem halben Liter einer Ersatzdroge ergriff der Mann die Flucht. Anhand seiner Kleidung und seiner Stimme konnte die Apothekerin ihn allerdings als früheren Kunden identigizieren und informierte unverzüglich die Polizei.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Polizei die Beute. Den Revolver und die Sturmhaube übergab der Mann dann freiwillig den Beamten. Sowohl bei seiner polizeilichen Vernehmung und auch bei der Verhandlung zeigte er sich dann voll geständig.

Der Mann stammt aus Siebenbürgen in Rumänien. 1990 war er zusammen mit seiner Familie in Deutschland eingereist und im Alter von 13 Jahren erstmals mit Drogen in Kontakt gekommen. Insgesamt neun Mal war er mit dem Gesetz in Konflikt, meist wegen Drogendelikten. Zuletzt hatte er erhebliche Mengen an Heroin konsumiert und ein Entgiftungs- und Methadonprogramm abgebrochen.

Dieser Druck war nach den Worten von Richter Dr. Paul war die Ursache für seine Dogenbeschaffungskriminalität gewesen. Daher bezeichnete er die beiden Taten auch als minderschwere Fälle. Strafmindernd wertete er außerdem das Geständnis und die Bereitschaft, seine Drogensucht zu bekämpfen.

Die Sachverständige befürwortete die Unterbringung in einer psychiatrischen Entziehungsanstalt bereits während der Haft. Dieser Empfehlung folgte das Gericht. Der 35-Jährige nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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