Johanna Wölzl und Beate Bartsch geben Diabetiker-Sebsthilfegruppe ab

Orientierung nach der Diagnose

Johanna

wolfhagen. Wenn Johanna Wölzl und Beate Bartsch am Jahresende aufhören, werden einige Diabetiker im Wolfhager Land schwer getroffen sein. „Da wird es auch Tränen geben“, vermutet Wölzl. Die beiden Krankenschwestern haben 13 Jahre lang eine wichtige Arbeit geleistet - als Leiterinnen der Selbsthilfegruppe Diabetes Wolfhagen. Ende Dezember hören sie auf.

Die 73-jährige Wölzl beschäftigte sich schon als Krankenschwester im Kreiskrankenhaus Wolfhagen intensiv mit Diabetes mellitus. Auch als sie 1997 in Ruhestand ging, ließ sie das Thema nicht los. So kam die Idee zur Selbsthilfegruppe. Beate Bartsch (51), Schwester im Kreiskrankenhaus und Diabetesassistentin, war begeistert und sagte zu.

Mit der Grupe wollten beide eine Lücke schließen. Zwar erhielten Diabetiker eine Schulung, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen sollten. „Doch in der Praxis ist wenig Zeit“, erklärt Beate Bartsch. Viele Fragen blieben auf der Strecke. Was mache ich bei Unterzuckerung? Darf ich Kuchen essen? „Über so etwas muss man sprechen“, sagt Bartsch. In der Gruppe falle es vielen leichter. Auch die Erkenntnis, mit den Problemen nicht alleine zu sein, helfe. „Wir wollten Zuversicht und Sicherheit geben“, nennt Wölzl ein weiteres Ziel.

Seit der Gründung im Jahr 1998 hat sich viel getan. Am Anfang haben Wölzl und Bartsch viel selbst erklärt. Schnell meldeten sich Diabetologen, die ihre Unterstützung anboten. Das Duo nahm dankend an. Recht, Psychologie oder Augenkrankheiten – längst geht nicht mehr um Diabetes selbst, wenn Experten referieren. Auch die Altersstruktur der Sitzungsteilnehmer hat sich geändert. Die Gruppe ist jünger geworden. Kamen anfänglich überwiegend Patienten zwischen 60 und 70, sind es jetzt vermehrt 40- bis 50-Jährige. Viele Patienten nutzen die Selbsthilfegruppe als Orientierung. „Wenn sie die Diagnose erfahren, sind sie wie vor den Kopf gestoßen. Sie müssen erst einmal durchatmen“, sagt Bartsch.

Das können sie in der Gruppe. Durchschnittlich sind 20 Diabetiker bei dem monatlichen Treffen. „Es ist eine gestandene Gruppe. Es werden Tipps weitergegeben. Die Gruppe regelt Probleme von selbst“, berichtet Bartsch.

Nur ein Problem konnten sie bislang nicht lösen: das der Nachfolge. Wölzl möchte sich aus Altersgründen zurückziehen. Und Bartsch kann die Gruppe alleine nicht stemmen. Nachfolger hat das Duo bislang nicht gefunden.

Doch eine Alternative zur Selbsthilfegruppe sei in Sicht. „Die Mitglieder werden aufgefangen, wenn auch nicht monatlich“, versichern beide. Wölzl und Bartsch sind derzeit dabei, alles weitere zu regeln. Wölzl und Bartsch fällt der Abschied schwer. Und sie versprechen: „Bei Fragen sind wir für die Menschen weiter da.“

Nächstes Treffen: Mittwoch, 3. August, 18 Uhr, Stadthalle Wolfhagen. Thema: Depression. Was tun, wenn die Seele leidet. Referentin: Sabine Leutiger-Vogel

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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