Ursprung im sumpfigen Feld

Ortsnamen auf der Spur: Die Böddigerschen und ihr Spitzname

Böddiger. Bei vielen Ortsnamen erschließt sich nicht sofort, woher sie kommen. Wir haben uns auf die Suche nach dem Ursprung der Ortsnamen im Schwalm-Eder-Kreis gemacht. Diesmal: Böddiger.

Auch wenn in den Ederauen häufiger mal der Nebel hängt, bei der Suche nach dem Ursprung des Namens Böddiger müssen wir nicht im Trüben fischen. Passend zur umgebenden feuchten Natur leitet sich der heutige Ortsname Böddiger von Bodegernun und Boidegeren her. Das bedeute soviel wie sumpfiges Feld oder Sumpffeld, weiß Heimatforscher Hans Poth und bezieht sich dabei auf das Standardwerk „Deutschlands geografische Namenwelt“ von Hans Bahlow.

Eine feuchte Region: Im Bild hängt Herbstnebel über der Ederaue bei Böddiger. Das schöne Motiv hat der verstorbene Eckhard K. Fisseler aufgenommen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Felsberger Stadtteil im Jahr 1074, sagt Poth. Der Ort taucht - wie viele andere der Region auch - in einer Mainzer Urkunde des Klosters Hasungen auf. „Vom Namen her ist davon auszugehen, dass der Ort aber deutlich älter ist“, sagt Poth. Knochenfunde aus den 1950er-Jahren belegten dies. Auch der Fund eines Feuersteinbeils spricht dafür, dass es erste Siedlungen schon vor Tausenden von Jahren gegeben hat.

Die mittelalterliche Gründung geht wohl auf einen Fronhof zurück. Um diesen herrschaftlichen Gutshof haben sich dann weitere Bauern niedergelassen. Der Kirchenzehnte wurde nach Aussage von Poth vermutlich sogar an das Kloster in Fritzlar entrichtet.

Schwierig wird es erst, wenn es um die Bezeichnung eines Einwohners von Böddiger geht. Das heißt, sie selbst machen es sich nicht schwer: „Die Einwohner Böddigers heißen Böddigersche“, sagt Poth kurz und knapp. Im Amtsdeutsch gestalte sich das indes nicht so einfach. In der Stadtverwaltung ist von den Einwohnern Böddigers die Rede. Böddigersche sei keine zulässige Bezeichnung.

Kein doppeltes -er 

Emmesgänser genau so wenig. So lautet der Spitzname der Böddigerschen. Darin steckt das Bächlein Ems und Gänse. Da liegt es nahe, dass es in Böddiger früher viel Federvieh gegeben hat. Auch dafür hat Poth eine Erklärung. Menschen mit wenig Geld, ohne einen eigenen Hof und Land konnten die Flüsse nutzen und Flächen, die der Allgemeinheit gehörten. Viele verdingten sich daher als Gänsehirten oder -züchter.

Warum heißen die Böddiger nicht einfach Böddigerer? Ortsnamen, die bereits mit ER enden, bekämen kein weiteres ER angehängt, erklärt Poth. Insofern sei dieser Name raus.

Böddiger hieß im Laufe der Jahrhunderte unter anderem Bodegernun (um 1000), Boidegeren oder Boidegern (1150), Bodegern (1275) und Böddigern (1550).

Informationen wurden im Mittelalter überwiegend mündlich weitergegeben. Eine eindeutige niedergeschriebene Fassung eines Namens habe es oftmals nicht gegeben, sagt Poth. Dies sei erst zu Beginn des 19. Jahrhundert üblich gewesen. Bis dahin habe es aussprachlich bedingte Unterschiede gegeben, die sich oftmals noch veränderten.

Im Mittelalter gab es in Böddiger etwa 40 Haushalte.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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