Datenschutzbehörde mit Insovlenzverwalter in Urbachtal

Verschwundene Akten: Ortstermin in Reha-Klinik

Neukirchen. Das zeigt die Brisanz der Lage: Noch in dieser Woche soll es nach Informationen der HNA zu einem Ortstermin mit der hessischen Datenschutzbehörde im ehemaligen Reha-Zentrum in Neukirchen kommen.

Mit den hiesigen Sicherheits- und Ordnungsbehörden wollen die Experten aus Wiesbaden überprüfen, wie sensible Patientenunterlagen in dem seit mehr als zehn Jahren leerstehenden Klinik-Komplex untergebracht sind.

Für den Hessischen Datenschutzbeauftragten gibt es keine Möglichkeit die Akten zu beschlagnahmen, heißt es aus der Behörde. Nach dem Ortstermin werde die Sachlage gemeinsam mit „dem Insolvenzverwalter der Reha-Centrum Urbachtal Grundbesitz- und Verwaltungs GmbH & Co. sowie mit dem Neukirchener Ordnungsamt erörtert, um deren bestehende Handlungsmöglichkeiten zu eruieren“.

Aus der Insolvenzmasse heraus sei kein Geld mehr vorhanden, um die Akten sicherzustellen, erklärte der Gießener Rechtsanwalt Gerhard Hauk gegenüber der HNA. Er war mit einem Kanzleikollegen mit dem Insolvenzverfahren des Reha-Zentrums-Komplex betraut. Als das Anwesen in das Zwangsvollstreckungsverfahren übergegangen sei, habe seine Kanzlei daraufhingewiesen, „dass die Akten aus Kostengründen nicht weggebracht werden konnten“, sagt der Anwalt. Inzwischen gehört die Liegenschaft einem niederländischen Investor, der dem Land und der Stadt Neukirchen noch Geld für Abgaben schuldet.

Die Stadt Neukirchen fühlt sich nicht zuständig: „Wir sind rechtlich nicht in der Pflicht“, erklärte Bürgermeister Klemens Olbrich. Die Stadt sei weder der Eigentümer noch der Datenschutz.

Weihnachten 2001 waren die 90 Mitarbeiter des Reha-Zentrums in die Feiertage geschickt worden. Zurück an ihren Arbeitsplatz, an dem zu Spitzenzeiten bis zu 200 Patienten Erholung suchten, mussten sie nicht mehr kommen. Schockiert betrachten einige von ihnen jetzt die Fotos und Videos im Internet, die den desolaten Zustand ihrer ehemaligen Wirkungsstätte widerspiegeln. Teilweise seien Büros mit Personalunterlagen, Küche und Labor mit Blutproben und namentlichen Patientenaufklebern, Chemikalien – wenn auch mit deutlichen Vandalismusspuren – noch so, wie sie Ende 2001 zurückgelassen haben, wird der HNA erzählt.

Fotos vom verlassenen Reha-Zentrum

Reha-Zentrum Neukirchen: Krankenakte des toten Sohnes verschwunden

Die Gebäude auf der 50 000-Quadratmeter-Liegenschaften erobern inzwischen andere. Berichtet wird unter anderem, dass sich dort gerne Wohnungslose in den Patientenzimmern einquartieren. Jugendliche würden regelmäßig Partys feiern. Dort fotografieren und filmen auch Gruppen, die sogenannte „Lost Places“ (vergessene Plätze) faszinieren.

In den Fokus war das Anwesen geraten, nachdem einer Familie anonym mitgeteilt worden war, dass die Akte ihres verstorbenen Sohnes in einem der Zimmer liege.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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