NPD-Ortsvorsteher

Altenstadt: Ortsbeirat will NPD-Mann Stefan Jagsch abwählen 

+
Stefan Jagsch (NPD) vor dem Gemeinschaftshaus im Ortsteil, in dem der NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt wurde. Alle sieben anwesenden Ortsbeiratsmitglieder von Altenstadt-Waldsiedlung, darunter Vertreter von CDU, SPD und FDP, hatten den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Stefan Jagsch zum Vorsteher gewählt.

Die Gemeinde Altenstadt prüft Möglichkeiten, NPD-Mann Stefan Jagsch als Ortsvorsteher wieder loszuwerden.

Der von CDU, SPD und FDP in einem Ortsteil von Altenstadt im Wetteraukreis zum Ortsvorsteher gewählte NPD-Landesfunktionär Stefan Jagsch soll abgewählt werden. Sieben der acht Ortsbeiratsmitglieder der Waldsiedlung haben, wie SPD, CDU und FDP am Montagnachmittag mitteilten, einen entsprechenden Abwahlantrag unterzeichnet. Ein weiteres Ortsbeiratsmitglied habe signalisiert, noch unterschreiben zu wollen.

Zunächst hatte Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) mitgeteilt, dass die Angelegenheit beim Hessischen Städte- und Gemeindebund zur Prüfung liege. „Wir müssen die Abwahl formal perfekt machen“, sagte Syguda.

In der Waldsiedlung wollen die wenigen, die man auf der Straße trifft, in Ruhe gelassen werden. Die beiden Bedienungen in einem Eiscafé schütteln lächelnd den Kopf. Schon viele Presse- und Fernsehleute hätten sie angesprochen, sagt eine.

Einige reden dann doch. „Jagsch ist gewählt worden, jetzt kann er bleiben. Das ist Demokratie“, sagt ein Mann aus dem Herren-Trio in der Bäckerei Färber in Altenstadt. Sein älterer Nachbar mit Kappe auf dem Kopf legt das Brötchen beiseite und äußert Unverständnis. „Es ist doch ein Irrsinn, so einen zu wählen, nur weil er jung ist und PC-Kenntnisse hat. Mit so einem Verhalten bringen die etablierten demokratischen Parteien die Rechten und die AfD nach vorn.“ Der Dritte in der Runde schweigt, weil er „nicht von hier“ sei. Der Optiker in der Straße, der ungenannt bleiben möchte, meint, „da haben sich wohl die alten Herrschaften keinen Kopf über die Konsequenzen gemacht“.

Altenstadt: Niemand außer Jagsch hat sich auf das Ehrenamt gemeldet

Auch der Bürgermeister weiß vor lauter Anfragen kaum noch, wo ihm der Kopf steht. Er brauche nicht viel Schlaf, aber die vergangenen Nächte seien auch für ihn zu kurz gewesen. Rund 600 E-Mails hätten ihn über das Wochenende erreicht, nachdem Jagschs Wahl publik geworden war. „Viele habe ich beantwortet“, sagt er. „Es ist ein unfassbarer Vorgang, der Altenstadt unberechtigt in eine braune Ecke gedrückt hat.“

Am Samstag habe es mit CDU, SPD, Grünen, FWG und FDP in der Gemeinde ein erstes Gespräch gegeben, dabei sei eine gemeinsame Erklärung aufgesetzt worden. Darin distanzieren sich die Verfasser nicht nur in „aller Schärfe“ von der Wahl. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Mitglieder des Ortsbeirats ihre Entscheidung überdenken und korrigieren“, heißt es.

Reue und Willen, den Fehler zu korrigieren, hat Ali Rizi Agdas, der für die SPD im Ortsbeirat Waldsiedlung sitzt, bereits öffentlich angekündigt. Syguda berichtete, dass der bisherige Ortsvorsteher Klaus Dietrich (FDP) und der CDU-Mandatsträger Norbert Szielasko diese Einsicht noch nicht zeigten. Letzterer hatte die Wahl von Jagsch damit erklärt, dass der Vize-Chef der NPD Hessen jung sei und mit E-Mails umgehen könne. Dietrich führte zudem an, niemand außer Jagsch habe sich auf das Ehrenamt gemeldet. Der NPD-Mann sei nach der Kommunalwahl als vierter Stellvertreter in der Gemeindevertretung gewählt worden und habe sich für den Ortsbeirat stets engagiert gezeigt. Parteien im Ortsbeirat spielten keine Rolle. Überdies sei „Herr Jagsch in den ganzen Jahren nicht ein einziges Mal faschistisch mit Naziparolen aufgefallen“.

Keine drei Jahre: Der rasante Aufstieg der NPD in Altenstadt

Laut Bürgermeister ist der 33-Jährige, der in der Gemeindevertretung die NPD anführt, höchstens mit seinem ruhigen Wesen aufgefallen. Provokationen in den Diskussionen habe es von ihm nicht gegeben.

Jagsch hat angekündigt, die Abwahl juristisch prüfen zu lassen

Syguda ist sich sicher, dass die Hessische Gemeindeordnung genug Freiraum gibt, um Jagsch ohne besonderen Grund abwählen zu können. „Es muss auch möglich sein, jemand einfach so abzuwählen. Nach meiner Meinung braucht es keinen wasserdichten Grund dafür.“ Dennoch solle vor der Abwahl die Sache eingehend geprüft werden. Dass Jagsch noch in dieser Woche abgewählt wird, schließt Syguda aus. Immerhin ist bereits ein Kandidat gefunden worden, der jedoch noch nicht benannt wird.

Stefan Jagsch hat angekündigt, die Abwahl juristisch prüfen zu lassen. Es gebe keinen triftigen Grund für ein solches Vorgehen. Nach seiner Auffassung kann die Entscheidung nicht einfach rückgängig gemacht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare