Die Osterkerze im Fritzlarer Dom: Das Licht der Hoffnung

Fritzlar. Licht ist hell, strahlt Wärme und Geborgenheit aus. Genau das sollen auch die Osterkerzen, die zu Ostern abends oder früh morgens in den Kirchen aufgestellt werden, den Menschen vermitteln. Sie sind quasi so etwas, wie die olympische Flamme der Christen.

Entzündet an einem Feuer, trägt sie ihre Botschaft in die dunkle Kirche und durchs Kirchenjahr: Christus ist auferstanden.

„Licht ist etwas sehr ergreifendes, es bringt Helligkeit“, sagt Jörg-Stefan Schütz, Stadtpfarrer der Domgemeinde St. Peter in Fritzlar. Die Dunkelheit werde in der Osternacht durchbrochen. Man ziehe mit der am gesegneten Feuer entzündeten Kerze und ihrer kleinen, flackernden Flamme in die dunkle, stille Kirche ein. Es ertöne der Ruf „Christus, das Licht!“. Die Gemeinde antwortet „Dank sei Gott!“.

Dann wird das Licht der Osterkerze an die Menschen in den Bänken, die ihre eigenen kleinen Kerzen damit anzünden, verteilt – die Kirche erhellt langsam im flackernden Licht: Symbol der Hoffnung, dass der Tod besiegt ist.

Anschließend wird die Osterhymne angestimmt, das „Exsultet“: „Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen …“ Die Orgel zieht alle Register und es werde ein alter Text und eine herrliche Melodie gesungen, sagt Schütz und zitiert daraus: „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“ Die Osternacht sei für ihn die Königin, so der Stadtpfarrer. „Es sind Momente, die unter die Haut gehen.“

Die Lichtsymbolik beruhe auf einer sehr alten Tradition, schon in der vorchristlichen Zeit habe es Sonnenwendfeuer gegeben. „Die Christen haben das Licht auf Jesus übertragen. Er ist das Licht der Welt“, so Schütz. Christus als Licht bringe Helligkeit, habe Blinde geheilt und Herzen zum Sehen gebracht. Es sei, wie im Buch „Der kleine Prinz“ beschrieben – „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Jesus habe im Grab gelegen. „In absoluter Finsternis. Er ist auferstanden, hat Licht ins Dunkle gebracht.“ Die größte Finsternis sei für die Menschen der Tod. Aber Jesus mache das Dunkle des Todes zunichte. „Der Tod hat gegen die Auferstehung keine Chance“, sagt Schütz. Dies alles stecke in der Symbolik des Lichts.

Die Osterkerze bekommt einen Ehrenplatz, den sie bis Pfingsten behält: einen eigenen, prächtigen Kerzenständer im Altarraum. Danach wird sie zum Taufbrunnen gestellt.

Die Osterabend wird in der Domgemeinde St. Peter in Fritzlar am Samstag, 21 Uhr, gefeiert. Treffen ist vor dem Dom, wo die Osterkerze an einem Feuer entzündet und dann von Dechant Jörg-Stefan Schütz in das Gotteshaus getragen wird. Ihm folgt die Kirchengemeinde. Neben kleinen Kerzen, die an diesem Abend an die Besucher verteilt werden, können, auch von den Messdienern verziert, Kerzen für vier beziehungsweise neun Euro erworben werden. Nach Ostern brennt die etwa 1,20 Meter große Kerze bis zum weißen Sonntag bei jedem Gottesdienst. Danach immer sonntags, bei Taufen und anderen feierlichen Anlässen. (may)

Quelle: HNA

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