Nach fünf Jahren und sieben missglückten Versuchen

Wegen Verbots in Deutschland: Paar aus Landkreis reist für Eizellenspende nach Spanien

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Blick durchs Mikroskop: Bei der Eizellenspende wird die Eizelle einer anonymen Spenderin mit dem Samen des Partners befruchtet und anschließend der Frau eingesetzt.

Schwalm-Eder. Ein Paar aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat sich zu einer Eizellspende in Spanien entschlossen. Die Methode ist hierzulande verboten. Für sie ist es der letzte Weg, ein eigenes Baby zu bekommen.

„Ich habe ihm schnell gesagt, dass ich keine Kinder bekommen kann“, erinnert sich die Mittdreißigerin aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis an die Zeit des Kennenlernens mit ihrem Mann. In Spanien will sich die Frau einer Behandlung unterziehen, die in Deutschland verboten ist.

Sie bekommt befruchtete Eizellen eingesetzt. Der Samen stammt von ihrem Mann, die Eizellen allerdings von einer anonymen Spenderin. Nach fünf Jahren und sieben missglückten künstlichen Befruchtungen hat sich das Ehepaar zu diesem Schritt entschlossen. In diesem Artikel wollen sie anonym bleiben.

Beide wollen den Weg gehen, weil Ärzte in Deutschland ihnen nicht helfen können. Die Mittdreißigerin leidet unter der Krankheit Endometriose, sie ist unfruchtbar und fühlt sich als Frau 2. Klasse. Die vielen künstlichen Befruchtungen mit Hormonbehandlung, Eingriffen und Narkose haben viel Kraft und auch Geld gekostet. „Doch es hat uns zusammengeschweißt“, betont das Paar.

Vom Arzt einer Reproduktionsklinik bekamen sie den Hinweis, dass es die Methode Eizellspende gibt. „Wir haben dann im Internet nachgeschaut“, sagt der Mittvierziger. Dass die Methode in Deutschland verboten ist, bedeutet für sie, dass die Politik nicht mit der Zeit geht. Nach langer Suche haben sie sich für Spanien entschieden.

Drei Kliniken in Barcelona, Madrid und auf Mallorca schrieb das Paar per E-Mail an. Die Häuser sind auf deutsche Patienten ausgerichtet. Doch die richtige Auswahl fällt schwer: „Wir können niemanden um Rat fragen“, fügt sie an. Nach einer Voruntersuchung wird mit der Hormonbehandlung bei Spenderin und Empfängerin begonnen. Die spanischen Ärzte versprechen, eine gesunde Spenderin aus dem Land zu finden, die optisch zu der Frau passt. Nach einer Eizellspende trägt die Frau das Kind nur aus, genetisch ist sie mit dem Baby nicht verwandt. Sie hofft, dass sie in der Schwangerschaft eine Bindung zu dem Kind aufbaut.

„Es ist uns ein Bedürfnis, unsere Geschichte zu erzählen“, sagt die Mittdreißigerin. Sie ist überzeugt, dass es viele Paare gibt, die keine Kinder bekommen können. Doch Unfruchtbarkeit ist „kein Thema, mit dem man hausieren geht“. Sie vertraut sich nur ihrer besten Freundin an, sie hört ihr immer zu und weiß von den Plänen. Er erzählte einer Kollegin von seinem Schicksal, sie springt ein, wenn er in Spanien ist.

Mit Flügen, Eingriffen und Voruntersuchung plant das Ehepaar 11.000 Euro für die Eizellspende. Danach sind die finanziellen Reserven erschöpft. Bereits im April wollen sie nach Spanien reisen. Wie das Leben mit ihrem Baby genau aussehen soll, wollen sie sich aus Selbstschutz noch nicht ausmalen.

Von Claudia Schittelkopp 

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Quelle: HNA

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