Vertrag zum Jahresende gekündigt

Pächter des Edeka-Marktes in Wollrode: Nach 35 Jahren ist Schluss

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Konkurrenz ist zu groß: Einzelhandelskaufmann Gerhard Wöske hat seinen Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt.

Um eine Gemeinde als Wohnstandort attraktiv zu halten und der Abwanderung vorzubeugen, bildet ein Dorfladen einen wichtigen Faktor. Wollrode steht jetzt die Schließung seines einzigen Lebensmittelmarktes bevor. Eine fußläufige Nahversorgung im Ort fällt damit weg.

Wollrode. Steigende Nebenkosten, die Einführung des Mindestlohns und immer mehr Konkurrenzmärkte in der Umgebung - das sind die Gründe, die Pächter Gerhard Wöske dazu bewogen haben, den Edekamarkt in Wollrode nicht weiterzuführen.

„Es hat gedauert, bis ich mich dazu entschließen konnte“, sagt Gerhard Wöske. Vor allem für viele ältere Menschen im Dorf sei der Markt die einzige Möglichkeit auf kurzem Weg und zu Fuß Einkäufe zu erledigen. „Zum Überleben gibt es hier alles“, sagt Mitarbeiterin Marga Bock, die bereits seit 28 Jahren im Markt arbeitet. Neben ihr seien noch drei weitere Verkäuferinnen sowie eine Reinigungskraft im Edekamarkt beschäftigt.

Der Edekamarkt hat nur Zukunft, wenn sich ein Interessent findet, der den Laden weiterführt.

Im Dorf habe sich die voraussichtliche Schließung des Marktes bereits herumgesprochen. Viele Wollroder seien traurig, dass es den Laden vielleicht bald nicht mehr gibt, sagt der Wollroder Helmar Proll. Besonders die Fleischtheke sei einmalig. „Es kamen sogar Kunden von anderen Dörfern nach Wollrode, um hier die Grillbratwurst oder Gehacktes zu kaufen“, sagt der 52-Jährige.

Einige Kunde hätten jedoch das abgespeckte Sortiment kritisiert. „Ich kann nicht dasselbe anbieten wie die großen Supermärkte“, sagt Wöske, der den Markt seit 1979 gepachtet hat. Auf einer Fläche von etwa 192 Quadratmetern sei das nicht möglich.

Übernahme noch ungewiss 

Auch die nicht durchgehenden Öffnungszeiten stießen immer wieder auf Kritik, erzählt Wöske. Zur Mittagszeit zwischen 12.30 und 14.30 Uhr habe er seinen Laden immer geschlossen. Seit etwa zehn Jahren seien die Umsätze stetig zurückgegangen. Im Januar/Februar lag der Rückgang sogar bei zehn Prozent.

An der negativen Entwicklung des Ladens seien die Wollroder auch ein wenig selbst Schuld, sagt Proll. „Wir haben den Laden zu wenig genutzt. Viele sind auf Geschäfte ausgewichen, in denen die Auswahl größer ist.“

Ein großer Einschlag sei die Kündigung der Lotto-Annahmestelle gewesen, die Wöske etwa 25 Jahre in dem Markt betrieben hat. „Das war schon ein Magnet, der Kunden angelockt hat“, sagt der 56-Jährige. Doch die Lotto-Umsätze seien für die Lotto-Gesellschaft zu gering gewesen, sodass die Stelle gekündigt wurde.

„Ich würde mich natürlich freuen, wenn sich ein Interessent findet, der den Markt weiterführt“, sagt Wöske. Zwei Interessenten habe es bereits gegeben, die sich den Markt angeschaut hätten. Wenn sich kein Nachfolger findet, schließe der Edekamarkt zum Jahresende. Den Pachtvertrag habe Wöske zum 31. Dezember gekündigt.

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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