Gefährlicher Hund beißt 29-jährige Naumburgerin und verletzt deren Dackel tödlich

Pando hatte keine Chance

Traurig: Nadine Heß bleiben nur Bilder ihres treuen Rauhaardackels Pando und die Erinnerung an sechs schöne gemeinsame Jahre. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Dieses grausame Bild hat sich in ihrem Kopf festgesetzt, sagt Nadine Heß, auch mehr als eine Woche nach dem schrecklichen Erlebnis, als ein Kampfhund ihren Rauhaardackel in den Hals biss, ihn immer wieder hin und her schüttelte und dabei so schwer verletzte, dass er am Abend starb.

An diesem Dienstagmittag ist Nadine Heß von ihrer Arbeitsstelle in Wolfhagen nach Hause gefahren, um die Pause mit ihrem Pando zu verbringen und eine Runde durch den Burghain zu drehen. Wie immer erwartet ihr kleiner Vierbeiner sie schon freudig oben auf der Treppe ihrer Wohnung in der Naumburger Altstadt.

Ab geht’s nach draußen in den Schwarzen Weg, der unterhalb des Burghains in Richtung Kronberg führt. Eine beliebte Strecke zum Gassi-Gehen. Nach einem Abstecher durch den Wald sind die 29-Jährige und ihr sechs Jahre alter treuer Begleiter wieder auf dem Rückweg.

Heß sieht eine Frau mit zwei Hunden, die ihr entgegenkommt. Einen Mops führt sie an der Leine, ein zweiter, bulliger Hund läuft frei. Als sie Nadine Heß mit ihrem Dackel entdeckt, leint sie ihr vierbeiniges Kraftpaket an. Nadine Heß will nun weiter, sieht aber, wie der große Hund anfängt zu ziehen und die Frau offensichtlich Schwierigkeiten hat, ihn zu halten.

Heß macht kehrt, will der Gefahr aus dem Weg gehen, blickt über die Schulter, sieht, wie der Hund beschleunigt, die Frau auf dem Boden liegt und mitgezogen wird. Nadine Heß geht schneller, merkt dann, wie sie ins rechte Bein oberhalb der Kniekehle gebissen wird, dann geht der kräftige Hund ihren Pando an, beißt dem verängstigen Dackel in den Hals und schleudert ihn immer wieder hin und her.

Heß schreit um Hilfe, voller Entsetzen, so eindringlich, dass ein in der Nähe wohnender Mann sich in sein Auto setzt, zum schwarzen Weg fährt, um zu helfen. Erst dann lässt der Beißer ab.

Sie nimmt ihren blutenden Hund auf den Arm, der Helfer fährt sie zum Tierarzt. Pando wird notversorgt, muss weiter in eine Klinik. Ein Arbeitskollege fährt sie und ihrern schwerverletzten Dackel in eine Tierklinik nach Kassel.

Am Hals ihres vierbeinigen Freundes klafft eine große Wunde, die Luftröhre ist am Kehlkopf gerissen, die Lunge verletzt. Pando wird operiert.

Keine Chance

Nadine Heß bangt um ihren Hund, den sie als sechwöchigen Welpen bekam. Sie beschreibt ihn als „Tollpatsch, treu-doof, ein richtiger Dackel halt, der sich über jeden Hund gefreut hat.“ Der Kleine hat keine Chance. Gegen 23 Uhr kommt der Anruf aus der Klinik, dass Pando gestorben ist.

„Es ist so ein sinnloser Tod“, sagt die 29-Jährige tief traurig. Am nächsten Tag erstattet sie bei der Polizei Anzeige gegen den 26-jährigen in Naumburg wohnenden Halter des Hundes und dessen ebenfalls 26-jährige Lebensgefährtin, die mit dem bissigen Tier unterwegs war.

„Ich weiß nicht, ob dieser gefährliche Hund eingeschläfert werden sollte. Aber er sollte dem Besitzer abgenommen werden und weg aus unserer Nähe“, sagt Heß. „Bei uns gehen viele Leute mit kleinen Hunden im Schwarzen Weg spazieren. Es hätte dort genauso gut ein Kind mit einem Hund treffen können.“

Ermittlungen nach Hunde-Attacke

Nach der Strafanzeige werde gegen den 26-jährigen Halter des bissigen Hundes und auch gegen die gleichaltrige Lebengefährtin des Halters wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, bestätigte Karsten Turski von der Wolfhager Polizei.

Das Verfahren beziehe sich allein auf die Attacke gegen Nadine Heß. Seitens der Polizei sei verfügt worden, dass der Hund, eine Mischung aus American Staffordshire-Terrier - einer Kampfhunderasse - und einem Boxer, einen Maulkorb tragen muss.

Wolfgang Fischer, Leiter des Ordnungsbehördenbezirkes, dem auch die Stadt Naumburg angehört, erklärte, man müsse jetzt „im Rahmen der Hundeverordnung prüfen, welche Maßnahmen nun ergriffen werden“. Die Palette reiche vom dauerhaften Leinen- und Maulkorbzwang bis hin zur Sicherstellung des Hundes und Unterbringung in einem Tierheim.

Fischer bestätigte, dass es sich bei dem Staffordshire-Boxer-Mix um einen sogenannten Listenhund handele, der in der Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden notiert ist. Der Hund hatte zum Zeitpunkt des Angriffs bereits den für Listenhunde vorgeschriebenen Wesenstest bestanden, der Halter verfügt über den nötigen Sachkundenachweis, der zum Führen eines Listenhundes berechtigt.

Die Lebengefährtin des Halters habe diesen Sachkunde-nachweis nicht, so Fischer, sie hätte also nicht mit dem Hund aus dem Haus gehen dürfen.

Hintergrund: Steuergünstig angemeldet

Der Vorfall wird für den 26-jährigen Halter des Hundes auf jeden Fall finanzielle Konsequenzen haben: Wie zu erfahren war, soll er das Tier bei der Stadt Naumburg als Mischung aus Boxer und Dalmatiner angemeldet haben. Deshalb wurde er von der Stadt als normaler Hund eingruppiert. Die Hundesteuer beträgt für diese Tiere 66 Euro im Jahr. Hunde, die auf der Liste der gefährlichen Rassen stehen, und dazu gehört der Stafford-Mix, kosten in Naumburg jährlich 650 Euro Steuern.

Keine Augenzeugen

Unabhängige Zeugen, die den Vorfall gesehen haben, bei dem der Dackel tödlich verletzt wurde, seien derzeit nicht bekannt, so Wolfgang Fischer. Die 26-jährige Lebensgefährtin streite den von Nadine Heß geschilderten Ablauf ab.

Für eine Stellungnahme waren weder der Halter des gefährlichen Hundes, noch seine Lebengefährtin, die mit dem Tier verbotenerweise unterwegs war, erreichbar.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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