Alte Handwerkskunst: Schützeberger Papiermühle lieferte bis nach Schweden

Papier für den König

Versteckte Lage an der Erpe: Die Schützeberger Papiermühle wurde nach Aufgabe des Handwerksbetriebs zu einem Bauernhof. Das Mühlenhaus wurde abgebaut und soll im Hessenpark Neu Anspach wieder errichtet werden. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. Am Fuß des Schützebergs wurde einst Papier hergestellt. Mit der Papierherstellung im Wolfhager Land wurde 1619 begonnen. Damals engagierte die Familie von der Malsburg den Papiermacher Matthias Schuerman aus Lemgo. Schuerman gründete nahe Schloss Elmarshausen eine Papiermühle an der Erpe.

Seine Söhne führten die Mühle weiter und bauten weitere Betriebe auf. Einer von ihnen, Michel Schürmann, erlernte das Handwerk beim Vater und arbeitete auch zunächst in Elmarshausen, ehe er sich selbstständig machte. Vor dem Jahr 1672 gründete er die Mühle unterhalb des Schützebergs. Seine Nachfahren übten das Handwerk bis in die 1830er-Jahre aus und stellten das Papier im Wesentlichen nach dem in China erfundenen und seit dem 12. Jahrhundert dann auch in Europa bekannten Verfahren her.

Der Papiermacher benötigte größere Mengen Leinentextilien, die ihm Lumpensammler aus dem Umland brachten. In der Mühle wurden die Stoffreste mechanisch zerfetzt, gewaschen und vergoren. Nach einigen Wochen wurde die faulende und stinkende Masse mit gelöschtem Kalk versetzt und im Stampfwerk zerfasert. Den Faserbrei vermengte der Papiermacher mit Wasser und füllte ihn in einen Bottich, auch Bütte genannt.

In Leim getaucht

Mit einem feinmaschigen Sieb aus Kupferdraht schöpfte der Papiermacher den Brei ab. Die Größe des rechteckigen Rahmens gab das Papierformat vor. Nach dem Abtropfen, Trocknen und Pressen wurde die Oberfläche geglättet. Schreibpapier wurde anschließend noch in Leim getaucht, um ein Verlaufen der Tinte zu verhindern.

Das Schürmanns Nachfahren das alte Handwerk nach 1830 aufgaben, lag daran, dass das inzwischen maschinell aus Holz hergestellte Papier billiger war. Die Papiermühle am Schützeberg wurde unrentabel und zu einem landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt.

Die Familie Schürmann (auch die Schreibweise Scheurmann existiert) bestattete ihre Verstorbenen auf dem Schützeberg. Reich verzierte Grabsteine zeugen noch heute von einer wohlhabenden, angesehenen Familie, die es über Generationen verstanden hat, hochwertiges Papier herzustellen. Zur Kundschaft der Wolfhager Papiermacher-Familie gehörte auch Friedrich I., König von Schweden und Landgraf von Hessen (1667 - 1751).

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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