Der Naumburger Jens Früchtenicht genießt mit seinem motorisierten Gleitschirm das freie Fliegen

Vom Paradies in den Himmel

Frei wie ein Vogel: Insgesamt 50 Stunden hat Jens Früchtenicht in diesem Jahr mit seinem motorisierten Gleitschirm bereits in der Luft verbracht.

Wolfhagen. Sich frei fühlen wie ein Vogel - Jens Früchtenicht gönnt sich diesen Genuss, wann immer es möglich ist. Der 43-Jährige ist begeisterter Motorgleitschirm-Flieger. Und seit kurzem hat er die Start- und Landebahn quasi vor der Haustür.

Flott und unbürokratisch

Am westlichen Stadtrand von Naumburg, wenige hundert Meter hinter dem Campingplatz, hat ihm ein Landwirt eine Wiese auf dem Dörmesgraben zur Verfügung gestellt. Nachdem Regierungspräsidium und Stadt dem Antrag des Fliegers, dort starten und landen zu dürfen, flott und unbürokratisch zugestimmt haben, kann er jetzt seinem luftigen Hobby frönen, ohne lange fahren zu müssen.

„Das ist ein Paradies hier“, sagt Jens Früchtenicht über den Platz, nicht nur, weil er sich die bisherigen Auto-Touren nach Niestetal zum nächsten zugelassenen Startgelände sparen kann, sondern vor allem, weil der Blick in die Landschaft fasziniert.

Eine gute Viertelstunde benötigt der gelernte Physiotherapeut auf der grünen Wiese für die Vorbereitung: Schirm auslegen, Leinen sortieren, den knapp 30 Kilo schweren Rucksack mit dem Motor und dem Propeller festschnallen. Nach einem kraftvollen Zug startet das 16 PS starke Triebwerk und knattert im Leerlauf wie ein Rasenmäher.

Kurzer Anlauf

Jetzt müssen alle Abläufe stimmen. Die Startphase, sagt Jens Früchtenicht, sei besonders kritisch. Mit einem kontrollierten Ruck richtet er den Schirm auf. Während der Wind die 28 Quadratmeter große Kappe bläht, bringt der Pilot über einen Regler an seinem Handgelenk den Motor auf fast 9000 Touren, ein kurzer Anlauf und schon hebt der 90-Kilo-Mann mit seinem Flugapparat scheinbar federleicht ab und brummt in Richtung Altenstädt davon.

Steiggeschwindigkeit: ein Meter pro Sekunde. Die maximale Flughöhe liegt bei 1300 Metern. Der Sprit, der heute im Tank schwappt, reicht für eineinhalb Stunden Flug. 35 km/h bringt der Schirm bestenfalls, mehr Gas setzt er in Höhe um.

Mit Zügen an den beiden Bremsleinen steuert Früchtenicht sein Fluggerät. „Am tollsten ist es, wenn ich den Motor in der Luft ausstellen und mit der Thermik spielen kann.“ Da zahlt sich dann die jahrelange Segelflugerfahrung aus. Dass es ihn nach längerer familienbedingter Pause nicht wieder ins Segelflugzeug zog, sondern er vor zwei Jahren das Gleitschirmfliegen erlernte, hat mit dem besonderen Naturerlebnis unterm Schirm zu tun. Keine Kuppel, kein Gehäuse - frei hänge man in den Gurten, direkt dem Wind ausgesetzt.

„Am tollsten ist es, wenn ich den Motor in der Luft ausstellen und mit der Thermik spielen kann.“

Jens Früchtenicht

„Hier kannst du senkrecht runtersehen, vorbei an deinen Beinen, die in der Luft baumeln“, schwärmt der Höhenbegeisterte. Das Flugerlebnis sei viel intensiver als in einem Cockpit, vor allem bei Thermikflügen ohne Motorunterstützung, „da spielst du mit den Aufwinden“. Und hin und wieder mit besonderer Gesellschaft, wie kürzlich bei Sachsenhausen im Waldecker Land. Da begleiteten ihn fünf Bussarde. „Die haben mir gezeigt, wo es am besten aufwärts geht.“

An dünnen Fäden

Natürlich sei das Gleitschirmfliegen nicht ohne Risiko, ist sich der zweifache Vater bewusst. In der Luft hänge das Leben an dünnen Fäden und einer noch dünneren Kappe. Die sollte beim Fliegen besser keinen Regen abkriegen, denn dann werde sie instabil.

Blick ins Netz

Die dunkeln Wolken an diesem Tag drängen Jens Früchtenicht nach knapp halbstündigem Flug zur Landung. Zuhause wird er im Internet die Wetterprognose für den morgigen Nachmittag abrufen. Wenn’s passt, geht er dann nach Feierabend ganz sicher wieder an den Start.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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